Werkstudent: Sonderregelungen für studentische Aushilfen

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Bereits in unseren vorangegangenen Beiträgen informierten wir Sie über die kurzfristige Beschäftigung, Mini- und Midijobs. Für Studenten besteht darüber hinaus die Möglichkeit, als studentische Aushilfe tätig zu werden und so das Werkstudentenprivileg für sich zu nutzen.

Werkstudentenprinzip gilt nur für ordentlich Studierende

Eine Tätigkeit als studentische Aushilfe kommt lediglich für ordentlich Studierende in Betracht. Dazu ist neben der Immatrikulation, also der Einschreibung in das Mitgliedsverzeichnis einer  Hochschule, auch die sozialversicherungsrechtliche Einordnung als Studierender erforderlich.

Maximal 20 Stunden pro Woche

Sozialversicherungsrechtlich gilt als Student, wer sich aktuell nicht in einem Urlaubssemester befindet, sein 25. Fachsemester nicht überschritten hat und die Arbeitszeitobergrenzen einhält. Um auch weiterhin als ordentlich studierend zu gelten, ist demnach erforderlich, dass das Studium vor der Tätigkeit als Arbeitnehmer im Vordergrund steht. Dies soll der Fall sein, wenn maximal 20 Stunden pro Woche gearbeitet wird.

26-Wochen-Grenze

Da Studenten in der vorlesungsfreien Zeit bzw. den Semesterferien auch mehr als 20 Stunden wöchentlich arbeiten dürfen, ist dabei jedoch nicht auf die einzelne Woche, sondern auf die sogenannte 26-Wochen-Grenze abzustellen. Die Arbeitszeitobergrenze ist demnach eingehalten, wenn im Durchschnitt des letzten halben Jahres wöchentlich nicht mehr als 20 Stunden gearbeitet wurde.

Beispiel:
Ein Student arbeitet während der Vorlesungszeit (08.10.18-01.02.19; 21 Wochen) 8 Stunden wöchentlich als studentische Aushilfe in einem Unternehmen. Während der vorlesungsfreien Zeit (02.02.19-07.04.19; 8 Wochen) arbeitet er in Vollzeit 40 Stunden wöchentlich. Da er im Durchschnitt der letzten 26 Wochen nicht mehr als 20 Stunden wöchentlich arbeitet, gilt er auch weiterhin als ordentlich Studierender.

Keine Verdienstobergrenze

Anders als beim Mini- oder Minijob gilt für Werkstudenten lediglich eine Arbeitszeit-, jedoch keine Verdienstobergrenze. Allerdings ist auch für Werkstudenten das Mindestlohngesetz zu beachten, dass einen Stundenlohn von wenigstens 9,19 € vorschreibt.

Das Werkstudentenprivileg

Verdient ein Werkstudent mehr als 450 € monatlich, kann er sich das sogenannte Werkstudentenprivileg zu Nutzen machen. Studierende und Arbeitgeber zahlen dabei  unabhängig von der Höhe des Einkommens keine Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Lediglich die Beiträge zur Rentenversicherung müssen geleistet werden, diese liegen derzeit bei 9,35% des Bruttolohns.

Beispiel:
Ein Student verdient monatlich 650€ brutto. Hiervon sind lediglich die Beiträge zur Rentenversicherung (9,35%) abzuziehen, so dass ihm 589,23€ verbleiben.

Einkommensteuer bei Werkstudenten

Auch die Tätigkeit als Werkstudent ist einkommensteuerpflichtig, so dass der Arbeitgeber entsprechende Beträge einbehält. Die Höhe der zu entrichtenden Lohn- und Kirchensteuer sowie des Solidaritätszuschlags hängt dabei von der individuellen Steuerklasse ab. Soweit der Studierende jedoch unterhalb des Grundfreibetrages (2019: 9.168€ zuzüglich der Werbekostenpauschale i.H.v. 1.000€ jährlich bleibt, kann er sich diese am Ende des Jahres durch Einreichung einer Steuererklärung erstatten lassen.

Beispiel:
Ein Student kann so im Jahre 2019 bis zu 10.168€ jährlich bzw. 857,33€ monatlich steuerfrei verdienen.

Krankenversicherung bei Werkstudenten

Jedoch gilt zu beachten, dass die Aufnahme einer Werkstudententätigkeit Auswirkungen auf die bestehende Krankenversicherung haben kann. Alle Studierenden müssen in einer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung versichert sein. Häufig ist dies die Familienversicherung über die Eltern.

Verdienstgrenze bei Familienversicherung

Damit ein Student auch weiterhin in der Familienversicherung verbleiben kann, darf lediglich eine geringfügig entlohnten Beschäftigung (450-Euro-Job) ausgeübt oder ein monatliches Einkommen von maximal 528,33€ (445€ zuzüglich Werbungskostenpauschale von 1000€ jährlich verteilt auf 12 Monate) erzielt werden. Wird dieser Betrag überschritten, muss der Betreffende sich selbst studentisch versichern. Die Beiträge hierzu liegen derzeit bei ca. 86€ monatlich.

Werkstudententätigkeit neben Bafög

Zu beachten ist außerdem, dass auch bei Bezug von Bafög-Leistungen eine Einkommensgrenze von 5.400€ jährlich bzw. 450€ monatlich gilt. Wird diese Grenze überschritten, können dem Betreffenden die Leistungen gekürzt oder sogar ganz gestrichen werden.

Wann lohnt sich das Werkstudentenprivileg?

Im Rahmen einer Beschäftigung als Werkstudent kann der Studierende unbegrenzt viel verdienen, soweit er im Durchschnitt der letzten 26 Wochen nicht mehr als 20 Stunden wöchentlich arbeitet und als ordentlich Studierender gilt. Ob sich die Tätigkeit als Werkstudent lohnt, ist jedoch im Einzelfall zu prüfen, da ggf. Bafög-Leistungen entfallen können und der Studierende sich selbst krankenversichern muss.

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