Weiterbildung 2021: Das Aufstiegs-BAföG

veröffentlicht am in der Kategorie Allgemein Arbeitsrecht Steuerberatung

Das sogenannte Aufstiegs-BAföG ist wie das BAföG für Studierende eine gesetzlich geregelte Geldleistung. Grundlage ist das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG). Damit unterstützt das Bundesbildungsministerium Menschen bei beruflichen Aufstiegsfortbildungen (z.B. Meister- und Fachwirtkurse, Kurse an Erzieher- und Technikerschulen). Für das Aufstiegs-BAföG gilt: Wer die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, hat einen Anspruch auf Förderung.

Die Förderungsziele

Es werden Fortbildungen öffentlicher und privater Träger in Voll- und Teilzeit gefördert, die fachlich gezielt auf öffentlich-rechtliche Prüfungen nach dem Berufsbildungsgesetz, der Handwerksordnung oder auf gleichwertige Abschlüsse nach Bundes- oder Landesrecht vorbereiten. Gefördert wird nicht notwendigerweise nur die erste Aufstiegsfortbildung, sondern generell eine Aufstiegsfortbildung pro Person. Damit besteht auch ein Förderanspruch, wenn der Antragsteller bereits eine selbst finanzierte Aufstiegsfortbildung absolviert hat. 

Ausnahmsweise kann auch ein zweites Mal ein weiteres Fortbildungsziel gefördert werden, wenn die dafür notwendige Vorqualifikation erst durch den erfolgreichen Abschluss der ersten geförderten Maßnahme erlangt wurden.

Zeitliche und qualitative Anforderungen

Liegen diese Voraussetzungen vor, ist die Förderung an bestimmte zeitliche und qualitative Anforderungen gebunden:

  • Die Maßnahme muss mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen (Mindestdauer).
  • Bei Vollzeitmaßnahmen müssen i.d.R. je Woche mind. 25 Unterrichtsstunden an 4 Werktagen (Vollzeit-Fortbildungsdichte) stattfinden. Vollzeitfortbildungen dürfen insgesamt nicht länger als drei Jahre dauern (maximaler Vollzeit-Zeitrahmen).
  • Bei Teilzeitmaßnahmen müssen die Lehrveranstaltungen monatlich im Durchschnitt mindestens 18 Unterrichtsstunden (Teilzeit-Fortbildungsdichte) umfassen. Teilzeitmaßnahmen dürfen insgesamt nicht länger als vier Jahre dauern (maximaler Teilzeit-Zeitrahmen).
  • Fernlehrgänge können als Teilzeitmaßnahme gefördert werden, wenn sie die Förderungsvoraussetzungen des AFBG erfüllen und zusätzlich den Anforderungen des Fernunterrichtsschutzgesetzes entsprechen.
  • Mediengestützte Lehrgänge können ebenfalls gefördert werden, wenn sie durch Präsenzunterricht oder eine diesem vergleichbare verbindliche mediengestützte Kommunikation im Umfang von mindestens 400 Stunden ergänzt werden und regelmäßige Erfolgskontrollen durchgeführt werden. Reine Selbstlernphasen sind nicht förderfähig.
  • Förderfähig sind nur Lehrgänge bei zertifizierten Anbietern, die über ein entsprechendes Qualitätssicherungssystem verfügen.

Die Förderungsberechtigten

Gefördert werden alle, die sich mit einem Lehrgang oder an einer Fachschule auf eine anspruchsvolle berufliche Fortbildungsprüfung in Voll- oder Teilzeit vorbereiten. Für die Förderung nach dem AFBG besteht keine Altersgrenze.

Für das Aufstiegs-BAföG müssen die Voraussetzungen der jeweiligen Fortbildungsordnung für die Prüfungszulassung oder die Zulassung für die angestrebte fachschulische Fortbildung (Vorqualifikation) erfüllt werden. Förderungsberechtigt ist auch, wer etwa als Studienabbrecher/in oder Abiturient/in ohne Erstausbildungsabschluss, aber mit der von der Fortbildungsordnung geforderten Berufspraxis eine Fortbildung anstrebt. Voraussetzung ist, dass dies in der entsprechenden Prüfungsordnung so vorgesehen ist.

Zudem wird gefördert, wer bereits über einen Bachelorabschluss oder einen diesem vergleichbaren Hochschulabschluss verfügt. Wer über einen höheren Hochschulabschluss verfügt (z.B. Masterabschluss), kommt nicht für eine AFBG-Förderung in Betracht.

Ausländer/innen sind förderungsberechtigt, wenn Sie

  • ihren ständigen Wohnsitz im Inland haben und
  • über bestimmte Aufenthaltstitel beziehungsweise über eine Daueraufenthaltserlaubnis verfügen bzw. sie sich bereits 15 Monate rechtmäßig in Deutschland aufgehalten haben und erwerbstätig gewesen sind (hierzu zählt auch die Zeit der Berufsausbildung).

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Die Förderungsmittel

Prüfungsgebühren und Materialkosten

Es werden einkommens- und vermögensunabhängig die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren (bis zu 15.000 €) sowie die Materialkosten eines Meisterprüfungsprojekts bei Vollzeit- und Teilzeitfortbildung (bis zu 2.000 €) gefördert.

Die Förderung mit AFBG beinhaltet Zuschüsse. Diese müssen nicht zurückgezahlt werden. Hinzu tritt die Möglichkeit, ein zinsgünstiges Darlehen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) über die Differenz zwischen Zuschussanteil und maximalem Förderbetrag abzuschließen. Die Zuschussanteile variieren je nach Fördergegenstand (Maßnahmekosten, Unterhaltsbedarf etc.).

Bei der Förderung zur Finanzierung der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren werden 40 % der Förderung als Zuschuss gezahlt. Für den Rest der Fördersumme erhält der Förderungsberechtigte ein Angebot der KfW über ein zinsgünstiges Bankdarlehen.

Auf Antrag werden bei bestandener Prüfung 40 % des zu diesem Zeitpunkt noch nicht fällig gewordenen Darlehens für die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren erlassen.

Die Materialkosten für ein Meisterprüfungsprojekt werden zu 40 % als Zuschuss gewährt. Für den Rest der Fördersumme wird ein Angebot der KfW über ein zinsgünstiges Bankdarlehen gemacht.

Beitrag zum Lebensunterhalt

Für Teilnehmer an einer Vollzeitmaßnahme besteht zusätzlich die Möglichkeit, einen Beitrag zum Lebensunterhalt erhalten. Dieser ist abhängig von Einkommen und Vermögen des Antragstellers sowie gegebenenfalls dem Einkommen des Ehe- oder Lebenspartners. Auch hier setzt sich die Förderung aus einem Zuschuss und einem Angebot der KfW über ein zinsgünstiges Darlehen zusammen.

Für Alleinstehende beträgt der maximale monatliche Unterhaltsbeitrag 885 €. Dieser setzt sich aus dem Grundbedarf, dem Wohnbedarf, einem Erhöhungsbetrag und eventuellen Zuschlägen zur Kranken- und Pflegeversicherung zusammen. Nach Abzug eines Pauschbetrages von 103 € wird der Unterhaltsbeitrag zu 50 % als Zuschuss gezahlt. Für den Rest der Fördersumme wird ein Angebot der KfW über ein zinsgünstiges Bankdarlehen gemacht.

Freibeträge

Der Einkommensfreibetrag beträgt 290 €. Mit weiterer Berücksichtigung einer Werbungskostenpauschale und einer Sozialpauschale ist ein Minijob (450 €) anrechnungsfrei.

Ist der Förderungsberechtigte verheiratet oder verpartnert, erhöht sich der Freibetrag um 570 €. Je Kind erhöht er sich um 520 €.

Ein Ehe- oder Lebenspartner hat zusätzlich einen eigenen Einkommensfreibetrag in Höhe von 1.145 €, bevor sein Einkommen auf die Förderung angerechnet wird.

Das Vermögen des Antragstellers wird erst ab einem Betrag von 45.000 € angerechnet. Bei Verheirateten und Verpartnerten erhöht sich der Betrag um 2.100 €. Für jedes Kind erhöht er sich ebenfalls um 2.100 €. Hingegen ist das Vermögen des Ehe-/Lebenspartners anrechnungsfrei. Dies gilt auch für eine angemessene selbst genutzte Immobilie und ein entsprechendes Auto.

Fazit

Liegen die Voraussetzungen des AFBG vor, wird auf Antrag Aufstiegs-BAföG gezahlt. Damit hat die Förderung nach dem AFBG einen Vorteil gegenüber Stipendienprogrammen, bei denen regelmäßig eine Auswahl der Geförderten stattfindet. Allerdings ist auch zu beachten, dass beim Aufstiegs-BAföG ein Teil der Förderung später einmal zurückgezahlt werden muss. Dennoch bietet diese Art der Förderung eine Motivation für diejenigen, die sich beruflich weiterqualifizieren wollen. 

Wenn Sie Fragen rund um das Thema Aufstiegs-BAföG oder andere Fragen rund um das Thema Steuern haben, wenden Sie sich an unsere Steuerberater und vereinbaren einen Termin. Wir stehen Ihnen gerne für alle Fragen zur Verfügung.

Rufen Sie uns an 0201/24030.

Schumacher | Rechtsanwälte · Notare · Steuerberater

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