Update: Längere Zeitgrenzen für kurzfristige Beschäftigung

veröffentlicht am in der Kategorie Allgemeines Zivilrecht Arbeitsrecht Corona

Die kurzfristige Beschäftigung ist eine Anstellungsform die eingesetzt wird, um einen zeitlich begrenzten Personalbedarf abzudecken. Im Rahmen der Pandemie sind nun längere Zeitgrenzen für die kurzfristige Beschäftigung beschlossen worden.

Die kurzfristige Beschäftigung

Eine kurzfristige Beschäftigung kann insbesondere in Betracht gezogen werden, wenn es sich um zeitlich begrenzte Aushilfstätigkeiten handelt.

Schon gewusst? Kein Erlöschen von Überstunden durch Freistellung

Anforderungen an die Beschäftigung

Die kurzfristige Beschäftigung, teilweise auch als 70-Tages-Beschäftigung bezeichnet, ist ein befristetes Arbeitsverhältnis. Erfasst sind Beschäftigungsverhältnisse, die

  • bei einer fünf-Tage-Woche drei Monate bzw.
  • bei einer Arbeitswoche von unter fünf Tagen 70 Arbeitstage in einem 12-Monats-Zeitraum

nicht übersteigen.

Berufsmäßigkeit

Außerdem darf die kurzfristige Beschäftigung nicht berufsmäßig ausgeübt werden. Dazu ist neben der Einhaltung der zeitlichen Obergrenzen erforderlich, dass die Beschäftigung für den Arbeitnehmer lediglich von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung ist.

Beispiel:

Nicht berufsmäßig sind also etwa Ferien- oder Aushilfstätigkeiten, die neben einem Hauptjob, der Schule oder dem Studium in geringem Umfang ausgeübt werden.

Schon gewusst? Diskriminierung durch zu geringes Gehalt

Was darf man verdienen?

Im Unterschied zum Midi- und Minijob ist bei der kurzfristigen Beschäftigung keine Verdienstobergrenze vorgesehen. Für einen zeitlich begrenzten Zeitraum darf der Arbeitnehmer also unbegrenzt viel verdienen. Jedoch sind auch hier die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes zu beachten.

Schon gewusst? Finanzierung der betrieblichen Altersvorsorge

Update: Erhöhung der Zeitgrenzen

Bereits im letzten Jahr wurden während der Pandemie die Zeitgrenzen für die kurzfristige Beschäftigung angehoben. So sollten insbesondere Saisonarbeiter die Möglichkeit erhalten, länger tätig zu werden.

Schon gewusst? Bereitschaftszeit als Arbeitszeit

Auch von März bis Oktober 2021 ist eine Anhebung der Beschäftigungstage vorgesehen. So können kurzfristig beschäftigte Arbeitnehmer bis zu 102 Arbeitstage oder vier Monate sozialversicherungsfrei arbeiten.

Jura Mythen – Für Garderobe keine Haftung?

Ab dem 1. November 2021 tritt dann wieder die reguläre Zeitgrenze von drei Monaten oder 70 Ar­beits­ta­gen in Kraft.

Was sind die Vorteile für Arbeitnehmer?

Für die kurzfristige Beschäftigung sind keine Sozialversicherungsabgaben zu entrichten; vom Arbeitslohn werden also keine Beiträge zur Kranken-, Renten-, Arbeitslosen-, und Pflegeversicherung abgezogen. Der Arbeitnehmer erhält so ein vergleichsweise hohes Nettogehalt.

Das müssen Sie wissen zu steuerlichen Behandlung des Home Office!

Von den Sozialversicherungsabgaben zu unterscheiden ist die Lohnsteuer, die auch auf Einnahmen aus einem kurzfristigen Beschäftigungsverhältnis zu entrichten ist. Gleiches gilt ggf. für die Kirchensteuer und den Solidaritätszuschlag.

Wie berechnet sich die Lohnsteuer?

Die Höhe der Lohnsteuer richtet sich grundsätzlich nach der Lohnsteuerklasse des Arbeitnehmers. Wahlweise kann das Gehalt auch mit einer Pauschalsteuer von 25 % (zzgl. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) versteuert werden, wenn

  • der Arbeitnehmer nicht mehr als 18 zusammenhängende Arbeitstage tätig wird,
  • durchschnittlich nicht mehr als 12 Euro pro Stunde und
  • nicht mehr als 72 Euro pro Arbeitstag verdient.

Was sind die Vorteile für Arbeitgeber?

Schon gewusst? Keine Abschleppkosten bei unklarer Beschilderung

Auch für den Arbeitgeber kann die kurzfristige Beschäftigung eine attraktive Alternative zum Mini- oder Midijob darstellen. Vom Arbeitgeber sind ebenfalls der Solidaritätsbeitrag und ggf. Kirchensteuerbeiträge abzuführen, außerdem muss er die Arbeitgeberumlagen U1 und U2 an die Krankenkassen bezahlen. Darüber hinaus fallen jedoch auch für den Arbeitgeber keine Sozialabgaben an, so dass im Vergleich zu regulären Mitarbeitern die Lohnnebenkosten geringer sind.

Noch Fragen?

Schon gewusst? Die Kanzlei Schumacher steht Ihnen mit kompetenter Rechtsberatung in Essen zur Seite.

Wenn Sie Fragen rund um das Thema kurzfristige Beschäftigung und Beschäftigungsformen haben, wenden Sie sich an unsere Steuerberater oder unsere Rechtsanwälte für Arbeitsrecht und vereinbaren einen Termin. Wir stehen Ihnen gerne und jederzeit für alle Fragen zur Verfügung. Rufen Sie uns an 0201/24030.

Schumacher | Rechtsanwälte · Notare · Steuerberater

Ihre Steuerberater in Essen