Umsatzsteuerliche Behandlung von Gutscheinen

veröffentlicht am in der Kategorie Steuerberatung

Seit dem 1.1.2019 wird bei der umsatzsteuerlichen Behandlung von Gutscheinen eine Differenzierung nach der Art des Gutscheins vorgenommen. Diese Neuregelung beruht auf dem „Gesetz zur Vermeidung von Umsatzsteuerausfällen beim Handel mit Waren im Internet und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften“ (ursprngl.”Jahressteuergesetz 2018″). Es dient der Umsetzung geänderten Mehrwertsteuerrichtlinie der Europäischen Union.

Bisherige Rechtslage

Bislang war die umsatzsteuerliche Behandlung von Gutscheinen weder im nationalen Recht noch im Unionsrecht explizit geregelt. Umsatzsteuerlich wurde aber zwischen Wert- und Sachgutscheinen unterschieden. Wertgutscheine sind auf einen bestimmten Geldbetrag (brutto) angelegt (z.B. 50 € Gutschein für ein Kaufhaus). Sachgutscheine können für hinreichend konkret (nach Art und Menge) bestimmte Ware oder Dienstleistung eingelöst werden (z.B. Gutschein für die einmalige Benutzung einer Sonnenbank in einem bestimmten Sonnenstudio).

Der Verkauf von Wertgutscheinen galt als bloßer Tausch von Zahlungsmittel und löste damit keine umsatzsteuerlichen Folgen aus. Demgegenüber war das Entgelt für Sachgutscheine als erhaltene Anzahlung einzustufen, so dass die hierin enthaltene Umsatzsteuer gleich bei Verkauf des Gutscheins abzuführen war.

Rabatt-Gutscheine stellen einen schriftlich zugesicherten Anspruch auf einen Preisnachlass dar. Sie lösen in der Regel keine umsatzsteuerlichen Konsequenzen aus, da sie unentgeltlich ausgegeben werden und sind auch von der Neuregelung nicht erfasst.

Ein- und Mehrzweck-Gutscheine

Die Differenzierung von Gutscheinen erfolgt nun nach Ein- und Mehrzweck-Gutscheinen. Beim Einzweck-Gutschein liegen bereits bei dessen Ausstellung alle relevanten Informationen vor (z. B. Ort der Lieferung, geschuldete Umsatzsteuer und insbesondere die Art der Leistung). Daher kann die Umsatzbesteuerung bereits im Zeitpunkt der Ausgabe bzw. Übertragung des Gutscheins erfolgen. Hierzu fingiert § 3 Abs. 14 UStG, dass jede Übertragung eines Einzweck-Gutscheins als die (steuerbare) Leistung gilt, auf die sich der Gutschein bezieht. Die eigentliche (spätere) Erbringung der Leistung bei der Einlösung des Gutscheins gilt dann nicht als unabhängiger Umsatz. Es bleibt bei der ursprünglichen Besteuerung, wenn Einzweck-Gutscheine nicht eingelöst werden.

Liegen hingegen im Ausstellungszeitpunkt des Gutscheins nicht alle Informationen für die zuverlässige Bestimmung der Umsatzsteuer vor, handelt es sich um Mehrzweck-Gutscheine. Die Umsatzbesteuerung erfolgt dann erst bei Einlösung des Gutscheins, nicht schon bei dessen Ausgabe. In § 3 Abs. 15 UStG wird klargestellt, dass nur die tatsächliche Lieferung oder sonstige Leistung, die gegen die Einlösung eines Mehrzweck-Gutscheins erbracht wird, der Umsatzsteuer nach § 1 Abs. 1 UStG unterliegt. Die bloße Übertragung eines Mehrzweck-Gutscheins ist hingegen nicht steuerbar.

Praktische Auswirkung

Die Änderungen betreffen ausschließlich Gutscheine, die darauf gerichtet sind,  Gegenstände zu erhalten oder Dienstleistung zu beziehen. Nicht von der Neuregelung betroffen sind Gutscheine, die z. B. zu einem Preisnachlass bei Fahrkarten oder Eintrittskarten führen. Betroffen sind zudem Gutscheine, die im eigenen Namen vertrieben werden. Unverändert bleibt demgegenüber die Umsatzbesteuerung von Vermittlungsleistungen, d.h. dem Vertrieb im fremden Namen und auf fremde Rechnung.

Die Umsetzung der Mehrwertsteuerrichtlinie ins nationales Recht wirkt sich insbesondere auf den Einzelhandel und beim Online-Shopping aus. Unternehmen, die Gutscheine ausstellen, „verkaufen” oder vermitteln, sollten sich daher mit den neuen Vorschriften intensiv auseinandersetzen, um eine zeitlich zutreffende Besteuerung sicherzustellen.

Wenn Sie Fragen rund um das Thema der umsatzsteuerlichen Behandlung von Gutscheinen haben, wenden Sie sich an unsere Steuerberatung und vereinbaren einen Termin. Wir stehen Ihnen gerne für alle Fragen zur Verfügung.

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