Steuerrecht 2021 – Zweitwohnungsmiete als Werbekosten

veröffentlicht am in der Kategorie Allgemein Mietrecht Steuerberatung

Die Miete für eine ursprünglich für eine doppelte Haushaltsführung genutzte Wohnung kann nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses für die Dauer einer neuen Arbeitsplatzsuche als vorweggenommene Werbungskosten abgezogen werden. Das hat das Finanzgericht (FG) Münster mit Urteil vom 12.06.2019 entschieden. 

Der Sachverhalt

Der Kläger ging einer Beschäftigung in Berlin nach, hatte seinen Lebensmittelpunkt aber in Nordrhein-Westfalen. Nach Kündigung des Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitgeber zum 31.08.2015 behielt der Kläger seine Wohnung in Berlin bei und bewarb sich auf eine Vielzahl von Arbeitsplätzen im gesamten Bundesgebiet, von denen drei in Berlin und Umgebung lagen.

Nach Zusage einer Stelle in Hessen zum 01.01.2016 kündigte der Kläger die Mietwohnung in Berlin fristgerecht zum 29.02.2016. Das Finanzamt erkannte die Mietkosten für die Wohnung in Berlin nur bis zum Ende der mietvertraglichen Kündigungsfrist der Wohnung nach der Kündigung und damit bis einschließlich November 2015 an. Der Kläger begehrte demgegenüber einen Werbungskostenabzug auch für die Dezembermiete in Höhe von rund 240 Euro. Das FG hat der Klage nun stattgegeben.

Steuerliche Berücksichtigung der doppelten Haushaltsführung

Eine doppelte Haushaltsführung liegt vor, wenn der Arbeitnehmer außerhalb des Orts seiner ersten Tätigkeitsstätte einen eigenen Hausstand unterhält und am Ort dieser Tätigkeitsstätte wohnt. Das Vorliegen eines eigenen Hausstands setzt das Innehaben einer Wohnung sowie die finanzielle Beteiligung an den Kosten der Lebensführung voraus.

Angesetzt werden können u.a. die tatsächlichen Aufwendungen für die Nutzung der Unterkunft am Beschäftigungsort, aber höchstens 1.000 € im Monat bei einer inländischen Wohnung. Zu den Aufwendungen zählen z.B. Miete, Nebenkosten, Absetzung für Abnutzung für Einrichtungsgegenstände, laufende Reinigung und Pflege, Zweitwohnungsteuer, Miete für Kfz-Stellplätze und Aufwendungen für die Gartennutzung.

Mietaufwendungen für Berliner Wohnung als vorweggenommene Werbungskosten

Nach Ansicht des FG war im entschiedenen Fall die Miete für den Monat Dezember 2015 nicht mehr durch die doppelte Haushaltsführung veranlasst worden. Bei den Aufwendungen handele es sich jedoch um vorweggenommene Werbungskosten. Ein hinreichend konkreter Veranlassungszusammenhang mit späteren Einnahmen sei erkennbar.

Der Kläger hatte sich weiterhin auf Arbeitsstellen in Berlin und Umgebung beworben und die Wohnung unmittelbar nach Zusage einer neuen Arbeitsstelle an einem anderen Ort gekündigt. Daher werde eine mögliche private Nutzung der Wohnung (z.B. für mögliche Wochenendbesuche) überlagert.

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Auch Kostenfaktor ist zu berücksichtigen

Schließlich sei auch zu berücksichtigen, dass eine vorzeitige Kündigung und eine etwaige Neuanmietung einer anderen Wohnung für den Kläger teurer gewesen wären als die Beibehaltung der verhältnismäßig günstigen Wohnung.

Fazit

Die Miete für eine doppelte Haushaltsführung genutzte Wohnung kann nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses für die Dauer einer Arbeitsplatzsuche als Werbungskosten abgezogen werden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Das FG hat die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen.

Wenn Sie Fragen rund um das Thema doppelte Haushaltsführung und Steuern haben, wenden Sie sich an unsere Steuerberater und vereinbaren einen Termin. Wir stehen Ihnen gerne für alle Fragen zur Verfügung.

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