Steuerrecht 2021: Mieterabfindungen können Herstellungskosten sein

veröffentlicht am in der Kategorie Allgemein Steuerberatung

Ab­fin­dun­gen, die an Mie­ter für die vor­zei­ti­ge Räu­mung der Woh­nun­gen zum Zweck der Durch­füh­rung von Re­no­vie­rungs­maß­nah­men ge­zahlt wer­den, füh­ren zu an­schaf­fungs­na­hem Her­stel­lungs­auf­wand. Dies entschied nun das Fi­nanz­ge­richt (FG) Müns­ter. Es ge­nü­ge, dass die Ab­fin­dun­gen un­mit­tel­bar durch die bau­li­che Maß­nah­me ver­an­lasst seien.

Der Sachverhalt

Die Klägerin ist eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Ihr Gesellschaftszweck ist die Vermietung von Grundstücken. Im Jahr 2016 erwarb sie eine denkmalgeschützte Immobilie mit vier Wohnungen für 1,2 Millionen Euro, welche sie in den folgenden zwei Jahren für 615.000 Euro renovierte.

Vom Kaufpreis entfielen 836.818 Euro auf das Gebäude. Um die früheren Mieter zum vorzeitigen Auszug zu bewegen und die Renovierungsarbeiten dadurch einfacher zu gestalten, zahlte die Klägerin Mieterabfindungen von insgesamt 35.000 Euro. Diesen Betrag machte sie als sofort abzugsfähige Werbungskosten geltend. Das Finanzamt behandelte die Abfindungen dagegen als anschaffungsnahe Herstellungskosten.

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Unmittelbarer Zurechnungs- / Veranlassungszusammenhang zu der baulichen Maßnahme reicht

Das FG wies die Klage ab. Die Mieterabfindungen seien gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG als anschaffungsnahe Herstellungskosten zu behandeln. Der Wortlaut dieser Vorschrift sei so gefasst, dass als Aufwendungen „für“ Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen nicht nur Baukosten im technischen Sinn in Betracht kämen.

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Vielmehr reiche ein unmittelbarer Zurechnungs- beziehungsweise Veranlassungszusammenhang zu der baulichen Maßnahme aus. Für dieses weite Verständnis sprächen Sinn und Zweck der Vorschrift. Danach solle die Renovierung einer Immobilie unmittelbar nach deren Erwerb steuerlich mit dem Erwerb einer bereits renovierten und damit teureren Immobilie gleichgestellt werden. Im letztgenannten Fall hätten sich vom Verkäufer zum Zweck der Renovierung getragene Mieterabfindungen in einem höheren Kaufpreis niedergeschlagen. Wäre eine Differenzierung danach erforderlich, ob Aufwendungen unmittelbar für eine bauliche Maßnahme aufgewendet werden, könne der mit der typisierenden Regelung verfolgte Zweck der Rechtsvereinfachung und -sicherheit nicht erreicht werden.

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Systematische und Historische Auslegung

Diese Auslegung stehe auch mit der Systematik weiterer gesetzlicher Regelungen in Einklang, so das FG. Dem Herstellungskostenbegriff nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 EStG§ 255 Abs. 2 Satz 1 HGB liege ebenfalls ein weites Verständnis zugrunde.

Insoweit sei geklärt, dass Abstandszahlungen an Mieter zur vorzeitigen Räumung einer Immobilie mit dem Ziel einer Neubebauung zu den Herstellungskosten des neuen Gebäudes zählten. Hierfür spreche auch die Entstehungsgeschichte des § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG, wodurch eine frühere Verwaltungsvorschrift gesetzlich festgeschrieben worden sei. Diese Verwaltungsvorschrift habe eine Typisierung des Herstellungsfalls der wesentlichen Verbesserung enthalten, sodass die Grundsätze zum Herstellungskostenbegriff auch bei anschaffungsnahem Aufwand anzuwenden seien. Unter Einbeziehung der weiteren Renovierungskosten sei die im Gesetz genannte 15%-Grenze in Bezug auf die Anschaffungskosten des Gebäudes überschritten. Die Abfindungen seien auch unmittelbar durch die Renovierungsmaßnahmen veranlasst, weil diese durch den Auszug der Mieter schneller und einfacher durchzuführen gewesen seien.

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Fazit

Nach Ansicht des FG Münster handelt es ich bei Mieterabfindungen um an­schaf­fungs­na­hem Her­stel­lungs­auf­wand. Ob diese Entscheidung bestehen bleibt, bleibt abzuwarten. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. 

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