Steuern für Influencer – 2020

veröffentlicht am in der Kategorie Allgemein Allgemeines Zivilrecht Steuerberatung

Immer mehr Leute sind auf Plattformen wie z.B. Instagram oder YouTube als “Influencer” tätig. Mit steigender Follower-Zahl häufen sich auch Angebote für Kooperationen mit Unternehmen. Aber wie sind Produktplatzierungen und andere Zuwendungen (z.B. kostenlose Hotelaufenthalte oder das kostenlose Zusenden von Produkten) auf Social-Media-Plattformen und in Blogs steuerrechtlich zu behandeln?

Einkommensteuer

Ist jemand regelmäßig als Influencer tätig, so geht das Finanzamt davon aus, dass diese Person Einkünfte aus Gewerbebetrieb erzielt. Denn die Tätigkeit wird selbständig – d.h. nicht als Arbeitnehmer – wiederholt und mit Gewinnerzielungsabsicht ausgeübt. Dafür reicht die Absicht, Einnahmen zu erwirtschaften, die höher sind als die eigenen Ausgaben (Einnahmen abzüglich Ausgaben = Gewinn = Einkünfte aus Gewerbebetrieb).

Achtung!

Auch Werbegeschenke (z.B. Waren, Dienstleistungen etc.) sind Einnahmen!

Die Einkünfte aus der Tätigkeit als Influencer unterliegen damit grundsätzlich der Einkommensteuer. Eine Einkommensteuererklärung muss aber nur abgegeben werden, wenn diese Einkünfte – zusammen mit etwaigen anderen Einkünften (z. B als Arbeitnehmer) – im Kalenderjahr den jährlichen Grundfreibetrag von 9.408 Euro (2019: 9.168 Euro) übersteigen.

Beachte:

Übersteigen die Einkünfte aus allen Tätigkeiten den Grundfreibetrag nicht, so fällt grundsätzlich keine Einkommensteuer an. 

Was muss ich bei der Einkommensteuer beachten?

Wer Einkommensteuer bezahlen muss, hat

Außerdem besteht die Pflicht zu elektronischen Abgabe einer Einkommensteuererklärung.

In dieser muss auf der sogenannten Anlage G der Gewinn aus der Tätigkeit als Influencer angegeben werden. Wer Einkünfte aus weiteren Tätigkeiten (Arbeitslohn aus einem Arbeitsverhältnis etc.) erzielt, muss auch diese in den dafür vorgesehenen Formularen angeben.

Übersteigen die gesamten Einkünfte (nach Abzug bestimmter nach dem Einkommensteuergesetz abzugsfähiger Kosten, z. B. als sogenannte Sonderausgaben abzugsfähige Vorsorgebeiträge) den jährlichen Grundfreibetrag, sind Steuern zu zahlen.

Wie berechne ich meine Einkünfte?

Wenn im Rahmen der Influencer-Tätigkeit von „Einkünften“ gesprochen wird, ist damit der Gewinn gemeint.

Gewinn = Einnahmen – betriebliche Ausgaben, die in Zusammenhang mit der Influencer-Tätigkeit stehen.

Hierbei dürfen z. B. monatliche Affiliate-Marketing Einnahmen nicht vergessen werden. Der Gewinn wird in der Regel mittels einer sogenannten Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) ermittelt.

Schon gewusst? Neuigkeiten zum Influencer Marketing!

Gewerbesteuer

Die Tätigkeit als Influencer ist grundsätzlich auch gewerbesteuerpflichtig.

Gewerbesteuer ist allerdings nur zu bezahlen, wenn der (auf volle hundert Euro abgerundeter) Gewerbeertrag höher als 24.500 Euro ist.

Gewerbeertrag = Gewinn, erhöht um bestimmte Hinzurechnungen und vermindert um bestimmte Kürzungen.

Umsatzsteuer

Influencer sind Unternehmer im Sinne des Umsatzsteuergesetzes, wenn sie selbständig und nachhaltig, d.h. mit Wiederholungsabsicht, Einnahmen erzielen.

Dabei spielt es keine Rolle, ob Gewinn erzielt werden soll: Eine Umsatzsteuererklärung für das Kalenderjahr müssen umsatzsteuerliche Unternehmer in jedem Fall abgeben!

Wer umsatzsteuerlicher (Regel-) Unternehmer ist, muss für seine Leistungen Rechnungen stellen, in denen  dieUmsatzsteuer (19 % oder 7 %) ausgewiesen ist.

Soweit die Umsätze zuzüglich der darauf entfallenden Steuer allerdings im vorangegangenen Kalenderjahr nicht höher als 22.000 Euro (bis 2019: 17.500 Euro) waren und im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich nicht höher als 50.000 Euro sein werden, gibt es einige Vereinfachungen. Man spricht dann vom “umsatzsteuerlichen Kleinunternehmer”:

  • Auf dessen Umsätze wird keine Umsatzsteuer erhoben.
  • Der Betroffene ist nicht zum Ausweis von Umsatzsteuer in seinen Rechnungen und zum Vorsteuerabzug aus Rechnungen anderer Unternehmen berechtigt. 
  • Es ergeben sich Vereinfachungen bei der Rechnungsstellung und die Umsätze müssen nur einmal im Jahr erklärt werden.

Achtung!

Es besteht auch die Option, auf die vereinfachte Besteuerung als Kleinunternehmer zu verzichten.

Was muss ich bei der Umsatzsteuer beachten?

Wichtig ist zunächst, dass fast immer 19 % Umsatzsteuer auf Umsätze erhoben werden, die an das Finanzamt abgeführt werden müssen (Ausnahmen sind bei bestimmten Umsätzen möglich).

Im Gegenzug dürfen die Betroffenen sich die Umsatzsteuer aus Rechnungen anderer Unternehmer (Vorsteuer) vom Finanzamt erstatten lassen.

Es besteht eine Pflicht, die Umsätze und Vorsteuern in einer monatlichen bzw. vierteljährlichen Umsatzsteuer-Voranmeldung elektronisch an das Finanzamt zu übermitteln. Darin errechnen Sie Ihre Steuerschuld (Differenz zwischen eingenommener Umsatzsteuer und gezahlter Vorsteuer) selbst und führen diese unaufgefordert an das Finanzamt ab.

Beachte:

Abrechnungen von Marketing Agenturen etc., welche mit „Gutschrift“ bezeichnet waren, sind Rechnungen der Geschäftspartner für den Influencer. Die darin ausgewiesenen Umsätze sind ebenfalls in der Voranmeldung an das Finanzamt zu übermitteln.

Wie muss ich Gratisprodukte oder Geschenke versteuern?

Nicht selten testen Influencer Produkte, übernachten umsonst in Hotels oder werden zu Veranstaltungen oder kompletten Reisen eingeladen.

Hierbei handelt es sich um Sachzuwendungen. Diese sind einkommensteuer- wie auch umsatzsteuerlich zu versteuern! Abweichungen von dieser Regel können sich ergeben,

  • falls die Waren zurückgesendet werden müssen,
  • die Waren von sehr geringem Wert sind oder
  • das Unternehmen, mit dem zusammengearbeitet wird, die Versteuerung übernimmt.

In welcher Höhe die Sachzuwendungen zu versteuern sind, ist oft gar nicht so einfach (außer der übliche Preis der erhaltenen Sache ist bekannt). Deshalb gilt: Dokumentation ist der beste Freund des Influencers!

Denn der Bereich der sozialen Medien gerät zunehmend in den Fokus der Finanzbehörden. Diese können beispielsweise mittels Internetrecherche oder Auskunftsersuchen an Ihre Geschäftspartner einen recht guten Einblick über Ihre Tätigkeit bekommen.

Achtung!

Kommen Influencer Ihren steuerlichen Pflichten nicht nach, riskieren sie neben der Nachzahlung der nicht bezahlten Steuern beispielsweise hohe Zinszahlungen, Geldstrafen und in Extremfällen sogar eine Freiheitsstrafe (Steuerstraftat).

Fazit

Influencer bewegen sich schon lange nicht mehr im steuerfreien Raum. Wer sich nicht mit seinen steuerlichen Pflichten auseinandersetzt, riskiert ein böses Erwachen, wenn dann doch Steuernachzahlungen für mehrere Jahre samt Verzinsung geleistet werden müssen. 

Daher ist es empfehlenswert, einen Experten aufzusuchen, der sich mit der neuen Berufsgruppe und deren Steuerpflichten genau auskennt. 

Schon gewusst? Bei uns finden Sie auch aus Essen Rüttenscheid Ihren Rechtsanwalt für Arbeitsrecht.

Wenn Sie Fragen rund um das Thema Steuererklärung, Influencer Marketing oder sonstige steuerrechtliche Fragen haben, wenden Sie sich an unsere Steuerberater und vereinbaren einen Termin. Wir stehen Ihnen gerne für alle Fragen zur Verfügung.

Rufen Sie uns an 0201/24030.

Schumacher | Rechtsanwälte · Notar · Steuerberater Ihre Steuerberater in Essen