Solaranlagen und ihre steuerliche Behandlung

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Solaranlagen und ihre steuerrechtliche Behandlung

Solar- oder Photovoltaikanlagen sind Anlagen, in denen mittels Solarzellen ein Teil der Sonnenstrahlung unmittelbar in elektrische Energie umgewandelt wird. Solare Strahlungsenergie zählt dabei zu den erneuerbaren Energien i.S.d. § 5 Nr. 14 EEG 2014. Betreiber von Solaranlagen werden durch vielfältige Prämienmodelle und steuerrechtliche Begünstigungen gefördert.

Vermarktung des erzeugten Stroms

Nach §§ 19 EEG 2014 und 2017 sind die Stromnetzbetreiber verpflichtet, jeglichen in einer privaten Anlage erzeugten Strom zu einem festen Einkaufspreis abzunehmen. Betreiber privater Anlagen zur Stromgewinnung können somit sämtlichen so erzeugten Strom in das allgemeine Netz einspeisen. Dabei haben sie die Wahl zwischen der Vermarktung durch einen Übergangsnetzbetreiber und der Direktvermarktung des produzierten Stroms.

Vermarktung über einen Übergangsnetzbetreiber

Entscheidet sich der Anlagenbetreiber zur Vermarktung über einen Übergangsnetzbetreiber, speist er seinen produzierten Strom in dessen Netz ein und erhält hierfür eine im EEG festgelegte Einspeisevergütung. Der Netzbetreiber verkauft den eingespeisten Strom an der Strombörse zu dessen Markpreis. Dieser Preis liegt in aller Regel unter den gesetzlich im EEG festgelegten Vergütungssätzen, so dass den ÜNB der Differenzbetrag erstattet wird (EEG Umlage).

Die Höhe der Vergütung richtet sich neben der installierten Leistung Solaranlage auch nach dem Datum ihrer Inbetriebnahme, § 48 II Nr.1-3 EEG 2017 und wird einmalig bei Inbetriebnahme der Anlage für die nächsten 20 Jahre festgesetzt. Daraus ergeben sich für die Einspeisevergütung folgende Beträge:

§ 48 II Nr.1-3 EEG 2017
Managementprämie (0,4 Cent/kWh) ist bereits enthalten
Datum der Inbetriebnahme
Bis 10 kWp Bis 40 kWp Bis 750 kWp
Ab 01.01.2017 12,30 Cent 11,96 Cent 10,79 Cent
Ab 01.05.2017 12,27 Cent 11,93 Cent 10,76 Cent
Ab 01.06.2017 12,24 Cent 11,87 Cent 10,73 Cent
Ab 01.07.2017 bis April 2018 12,20 Cent 11,87 Cent 10,71 Cent


Direktvermarktung

Alternativ kann der Anlagenbetreiber seinen produzierten Strom auch direkt vermarkten, § 3 Nr. 16 EEG, indem er diesen selbst an der Strombörse zum jeweiligen Marktwert verkauft. Die Differenz des erhaltenen Börsenpreises wird durch Zahlung einer Marktprämie in Höhe der Differenz zur Einspeisevergütung nach dem EGG ausgeglichen, zusätzlich erhält er aufgrund des erhöhten Aufwands eine Managementprämie i.H.v. 0,4 Cent/kWh. Ziel dieser Prämien ist auch die Förderung aus Sicht des Gesetzgebers vorzugswürdige Direktvermarktung.

Versorgung von Mietern mit selbst erzeugtem Strom

Versorgt ein Anlagenbetreiber Mieter des Hauses, an dem die Solaranlage installiert ist, mit durch diese produziertem Strom, erhält er darüber hinaus einen Mieterstromzuschlag gemäß § 19 I Nr.3 EEG, soweit die Anlage nach dem 25.07.2017 in Betrieb genommen wurde. Die Höhe der Förderung richtet sich gemäß § 23 b EEG nach der Einspeisevergütung abzüglich eines pauschalen Abschlags i.H.v. 6,5 Cent/kWh.

Datum der Inbetriebnahme Bis 10 kWp Bis 40 kWp Bis 750 kWp
Juli 2017- April 2018 12,60 12,27 11,01
Abzüglich Abschlag 8,5 Cent 3,70 3,37 2,11


Finanzierung der Förderung durch EEG-Umlage

Die Auszahlungen an die Anlagenbetreiber überschreiten die Einnahmen, die durch den Verkauf des produzierten Stroms an der Strombörse erzielt werden, um ein vielfaches. Finanziert wird die von den Betreibern von Solaranlagen erhaltende Förderung durch die sogenannte EEG-Umlage gemäß § 60 I EEG als Umlage des sich ergebenden Differenzbetrags auf alle Stromverbraucher entsprechend deren tatsächlichen Verbrauchs. Die EEG-Umlage ist stets im an den jeweiligen Stromanbieter entrichteten kWh-Preis enthalten.

Eigennutzung des produzierten Stroms

Die EEG-Umlage ist auch auf selbst produzierten und genutzten Strom zu entrichten, soweit die Anlage nach dem 31.12.2016 in Betrieb genommen wurde. Eine Ausnahme kann sich gemäß § 61 EEG ergeben, wenn es sich um eine vollständige Selbstversorgung handelt und die Anlage nicht an das Stromnetz angeschlossen ist, es sich um kraftwerkseigenen Verbrauch handelt oder es sich um eine Anlage mit einer installierten Leistung von maximal 10 kW handelt und der Jahresverbrauch maximal 10 mWh beträgt.

Verkauf von nicht selbst genutztem Strom

Regelmäßig wird der produzierte Strom den Eigenbedarf überschreiten, so dass der übrige Strom direkt oder über einen Übergangsnetzbetreiber verkauft werden soll. Der Betreiber gilt dabei als Unternehmer. Für die steuerrechtliche Behandlung ist auf den Gewinn als Differenz zwischen den Betriebseinnahmen und –ausgaben abzustellen.

Zu den Betriebseinnahmen zählen die Einspeisevergütung, der Mieterstromzuschlag sowie der Wert des selbst verbrauchten Stroms und etwaiger Umsatzsteuerbeträge.
Dem stehen die Betriebsausgaben, insbesondere Absetzungs-, Reparatur- und Wartungskosten, Versicherungsbeiträge, die EEG-Umlage für den privat verbrauchten Strom sowie Vorsteuerbeträge gegenüber. Photovoltaikanlagen sind dabei über eine Nutzungsdauer von 20 Jahren abzuschreiben.

Der sich ergebende Gewinn ist der Umsatz-, und Gewerbesteuer zu unterwerfen, soweit die jeweiligen Freibeträge überschritten werden. Die erhaltene Marktprämie und Managementprämie ist als echter Zuschuss umsatzsteuerbefreit.

Anwendung der Kleinunternehmerregelung

Häufig kann der Betreiber einer PV-Anlage auch von der Kleinunternehmerregelung gemäß § 19 UStG Gebrauch machen, soweit der Jahresumsatz aus dem Stromverkauf unter 17.500 Euro liegt. In diesem Fall besteht eine Befreiung von der Umsatzsteuer, jedoch ist der Betroffene auch nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt.

Wirtschaftlicher Nutzen von Photovoltaikanlagen

Insgesamt übersteigt damit die Vergütung, die der Betreiber einer Solaranlage für den von ihm produzierten Strom erhält, den tatsächlichen Marktwert. Besonders begünstigt ist dabei die Direktvermarktung des produzierten Stroms, für die der Anlagenbetreiber neben dem Verkaufserlös eine Marktprämie sowie eine Managementprämie erhält. Finanziert wird die Förderung durch die von allen Stromverbrauchern zu entrichtende, im Strompreis enthaltene EEG-Umlage.
Besonders begünstigt wird durch den Mieterstromzuschlag auch die Vor-Ort-Verwendung von durch eine Solaranlage produziertem Strom.

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