Solaranlagen und ihre steuerrechtliche Behandlung: Direktvermarktung

veröffentlicht am in der Kategorie Allgemein Steuerberatung

Bereits in einem unserer letzten Beiträge berichteten wir über Solaranlagen und deren steuerrechtliche Behandlung. Nun möchten wir Sie gern näher über die Direktvermarktung des so erzeugten Stromes informieren.

Die Direktvermarktung

Direktvermarktung meint den unmittelbaren Verkauf von durch eine Photovoltaikanlage produziertem Strom durch den Erzeuger an der Strombörse, § 3 EEG. Vereinfacht gesagt verkauft also der Anlagenbetreiber seinen selbst erzeugten Strom an einen Direktvermarkter zum jeweiligen Marktwert. Von diesem Marktwert behält der Direktvermarkter ein Dienstleistungsentgelt ein.

§ 3 EEG                                                                                               
Im Sinn dieses Gesetzes ist oder sind…
16. „Direktvermarktung“ die Veräußerung von Strom aus erneuerbaren Energien oder aus Grubengas an Dritte, es sei denn, der Strom wird in unmittelbarer räumlicher Nähe zur Anlage verbraucht und nicht durch ein Netz durchgeleitet,…

Pflicht zur Direktvermarktung

Die Möglichkeit der Direktvermarktung von durch Solaranlagen produziertem Strom besteht bereits seit dem 01.01.2012. Seit dem 01.01.2016 ist sie für Neuanlagen ab einer Leistung von 100 kW sogar verpflichtend.

Weg in die Direktvermarktung

Um den Strom aus einer Solaranlage direkt vermarkten zu können, muss zunächst ein Direktvermarktungsvertrag mit einem frei wählbaren Direktvermarkter abgeschlossen werden. Als solche kommen viele bekannte Stromanbieter in Betracht.

Der Direktvermarktungsvertrag regelt die wesentlichen Eckpunkte des Stromlieferungsverhältnisses. Dazu zählt neben dem durch den Anlagenbetreiber zu entrichtenden Dienstleistungsentgelt  auch etwa, wer die Pflichten nach dem EEG zu erfüllen hat, wer die Bilanzierung übernimmt und unter welchen Voraussetzungen der Direktvermarktungsvertrag kündbar ist.

Voraussetzungen für Direktvermarktung

Voraussetzung für die Direktvermarktung ist insbesondere, dass die jeweilige Anlage fernsteuerbar ist. Bei der Fernsteuerbarkeit handelt es sich um eine technische Einrichtung, durch die der Direktvermarkter auf die Anlage zugreifen und sie regulieren kann. So kann eine bedarfsgerechte Stromproduktion gewährleistet werden.

Die Stromproduktion soll in den Zeiten mit hoher Stromnachfrage und entsprechend hohen Börsenpreisen groß, in Zeiten mit niedrigem Strombedarf und entsprechenden Börsenpreisen hingegen gering sein. So kann gewährleistet werden, dass der Anlagenbetreiber möglichst viel Strom zu Spitzenpreisen verkauft und es zugleich nicht zu einer Überproduktion kommt.

Einrichtung der Fernsteuerbarkeit

Die Fernsteuerbarkeit einer Solaranlage kann auf unterschiedliche Weisen eingerichtet werden. Insbesondere bei kleineren Solaranlagen kommen häufig sogenannte Rundsteuerempfänger zum Einsatz, die i.d.R. durch den gewählten Direktvermarkter im Zählerschrank der Anlage oder dessen Nähe eingebaut werden.

Bei größeren Photovoltaikanlagen wird in der Regel eine eigene Übertragungseinheit (GPRS-Modem) sowie ein Messwertumformer installiert. Durch die jeweilige technische Einrichtung kann der Direktvermarkter dann auf die Anlage zugreifen, sie regulieren und ggf. sogar ganz abschalten.

Staatliche Förderung durch Marktprämienmodell

Da der erzielte Erlös dennoch häufig niedriger ist als die im EEG vorgesehene Einspeisevergütung, wird die Direktvermarktung staatliche durch das sogenannte Marktprämienmodell gefördert. Die Marktprämie soll dem Anlagenbetreiber die Differenz zwischen der festen Einspeisevergütung nach dem EEG und des erzielten Marktwertes ersetzen, wobei auf den monatlichen Durchschnittspreis abzustellen ist.

Marktprämie = fixe Einspeisevergütung – Referenzmarktwert (bzw. Monatsmarktwert)

Finanzieller Anreiz für geschickte Vermarktung

Der Anlagenbetreiber erhält die volle Marktprämie vom jeweiligen Netzbetreiber unabhängig davon, zu welchem Preis er seinen Strom tatsächlich verkauft hat. Wer seinen Strom zu überdurchschnittlichen Preisen verkauft, nimmt also mehr ein, als er über die Einspeisevergütung erhalten würde. Entsprechend geringer fallen die Einnahmen aus, wenn der Strom zu unterdurchschnittlichen Preisen verkauft wird.

Beispiel:
Für eine ab dem 01.06.2017 in Betrieb genommene Solaranlage beträgt die Einspeisevergütung nach § 48 EEG derzeit 10,33 Cent je kWh. Betrug der durchschnittliche Preis an der Strombörse in einem Monat 5 Cent pro kWh und der Photovoltaik-Betreiber verkauft seinen Strom für 6 Cent/kWh, beträgt die Marktprämie dennoch 5,33 Cent je kWh (aktuelle Einspeisevergütung 10,33 Cent – 5 Cent). Zusammen genommen kommt der Anlagenbetreiber so auf 11,33 Cent Einnahmen je kWh (6 Cent Einnahme + 5,33 Cent Marktprämie).

Managementprämie gleicht Kosten für Direktvermarktung aus

Da die Direktvermarktung für den Anlagenbetreiber zunächst mit einem gewissen Aufwand verbunden ist, erhält dieser darüber hinaus eine Managementprämie i.H.v. 0,4 Cent/kWh.

Beispiel:
Im Ergebnis erzielt der Anlagenbetreiber also sogar Einnahmen i.H.v. 11,73 Cent je kWh.

Wirtschaftlicher Nutzen von Photovoltaikanlagen

Insgesamt übersteigt damit die Vergütung, die der Betreiber einer Solaranlage für den von ihm produzierten Strom erhält, dessen tatsächlichen Marktwert.Die Direktvermarktung wird weiterhin auch durch die Managementprämie staatlich gefördert. Finanziert wird diese Förderung durch die von allen Stromverbrauchern zu entrichtende, im Strompreis enthaltene EEG-Umlage.

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