Ein Strafbefehl im Briefkasten ist für den Empfänger ein Schock – und gleich läuft eine 14-Tage-Frist. Sie sollten wissen, wie Sie damit umgehen. Unter bestimmten Voraussetzungen lohnt sich hier ein Einspruch. Auch sollten Sie darüber im Klaren sein, dass ab einem bestimmten Strafmaß die Strafe auch ins Führungszeugnis eingetragen und damit für Arbeitgeber sichtbar sein kann. Was Sie im Einzelnen wissen sollten erfahren Sie im Folgenden.
Ein Strafbefehl ist ein vom Gericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft erlassenes schriftliches Urteil, ohne eine vorausgegangene Hauptverhandlung. Das Instrument des Strafbefehls wird insbesondere bei leichter Kriminalität angewandt. Bei Verbrechen, also Straftaten, die mit einer Freiheitsstrafe von nicht weniger als einem Jahr bedroht werden, ist kein Strafbefehl möglich.
Da es keiner Verhandlung bei Gericht bedarf, werden die Behörden sowie Richter entlastet, was eine effizientere Arbeit ermöglicht. Auch für den Beschuldigten kann ein Strafbefehl von Vorteil sein. Zum einen wird von einem mitunter kostspieligen Verfahren abgesehen, zum anderen passiert ein Strafbefehl üblicherweise nicht vor den Augen der Öffentlichkeit.
Zum Erlass eines Strafbefehls genügt regelmäßig ein hinreichender Tatverdacht; die individuelle Schuld muss nicht von Seiten des Gerichts festgestellt werden.
Durch einen Strafbefehl kann das Gericht nur bestimmte Rechtsfolgen anordnen. Im Kern geht es um Geldstrafen und bestimmte Nebenfolgen – eine „richtige“ Gerichtsverhandlung findet dabei meist nicht statt.
Der Empfänger eines Strafbefehls hat stets die Möglichkeit, dagegen Einspruch einzulegen. Dies muss gem. § 410 StPO schriftlich oder zu Protokoll zu erfolgen (siehe unten). Auch darf der Einspruch nur innerhalb von 14 Tagen nach Zustellung des Strafbefehls eingelegt werden. Bei einem unverschuldeten Versäumnis der Frist ist allenfalls ein Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand denkbar. In der Vergangenheit wurde eine Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand etwa zugelassen, wenn auf dem Briefumschlag mit dem Strafbefehl das Zustelldatum fehlte. Eine Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand bleibt dennoch die absolute Ausnahme
Erfolgt kein Einspruch, wird der Strafbefehl mit Ablaufen der Frist rechtskräftig. Ein Einspruch kann sich auch dann lohnen, wenn der Strafbefehl formal fehlerhaft ist. Angesichts von mehr als 500.000 im Jahre 2024 erlassenen Strafbefehlen überrascht es nicht, dass es dabei bisweilen zu Fehlern kommt.
Ein Einspruch kann auch dann sinnvoll sein, wenn die Einkommensverhältnisse des Beschuldigten falsch eingeschätzt wurden. Daran bemisst sich im Falle einer Geldstrafe die Höhe der Tagessätze. Auch kann es sich lohnen, durch einen Einspruch und die folgende Hauptverhandlung die Anzahl an Tagessätzen zu reduzieren.
Für die Entscheidung, ob Sie Einspruch einlegen wollen, sollten Sie sich Rat von ihrem Strafverteidiger einholen. Nur auf diesem Wege lassen sich Chancen und Risiken wirklich abwägen.
Damit ein Einspruch ordnungsgemäß eingelegt wird, muss er eine bestimmte Form haben. Konkret sollte ein wirksamer Einspruch enthalten:
| 1. Gericht | Anschrift des im Strafbefehl genannten Amtsgerichts übernehmen. |
| 2. persönliche Daten | Name, Vorname, ggf. Geburtsdatum und aktuelle Anschrift angeben. |
| 3. Strafbefehl nennen | Datum und Aktenzeichen aus dem Strafbefehl eintragen. |
| 4. Einspruch erklären | Ausdrücklich erklären, dass gegen den Strafbefehl Einspruch eingelegt wird. |
| 5. Umfang festlegen | Falls gewünscht angeben, ob sich der Einspruch z. B. nur auf die Höhe der Tagessätze bezieht. |
| 6. Begründung | Kurze Gründe schildern (optional, kann bei Bedarf nachgereicht werden). |
| 7. Frist prüfen | Sicherstellen, dass der Einspruch innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung beim Gericht eingeht. |
| 8. Abschluss | Ort und Datum angeben und das Schreiben handschriftlich unterschreiben. |
Die Wirkung eines Einspruchs ist, dass der Richter, der den Strafbefehl erlassen hat, nun eine mündliche Hauptverhandlung ansetzt. Hierbei ist insbesondere hervorzuheben, dass die Strafe, die vor Gericht gefällt wird auch höher sein kann als die Strafe, die der Strafbefehl vorsieht. Der Einspruch birgt also auch Risiken: Die schlussendliche Strafe kann höher ausfallen, die Anwaltskosten steigen für gewöhnlich, sowie im Falle einer Verurteilung die Prozesskosten auch.
Wird einem Strafbefehl nicht wirksam widersprochen, wird dieser rechtskräftig. Er kommt dann einem rechtskräftigen Urteil gleich. Jeder rechtskräftige Strafbefehl wird im Bundeszentralregister (BZR) eingetragen. Das ist jedoch nicht gleich Grund zur Unruhe, denn das BZR ist weder öffentlich einsehbar, noch hat jeder das Recht Einsicht zu bekommen. Auskünfte zu Einzelheiten des BZR gehen nur an bestimmte Stellen wie Gerichte, Staatsanwaltschaft und einzelne Behörden. Auch die betroffene Person selbst hat das Recht, Auskunft über die Einträge im eigenen BZR zu erhalten.
Die Verurteilung durch Strafbefehl kann auch ins Führungszeugnis aufgenommen werden. Das spielt wiederum auch bei der Bewerbung für bestimmte Berufsfelder eine Rolle. Eine Verurteilung im Führungszeugnis kann Sie in Erklärungsnot bei einem neuen Job bringen. Ab einer Anzahl von 90 Tagessätzen (unabhängig von der Höhe in Euro) wird eine Verurteilung ins Führungszeugnis aufgenommen. Bei Haftstrafen werden diejenigen ins Führungszeugnis aufgenommen, die die Dauer von drei Monaten überschreiten. Bei einer weiteren Verurteilung werden dann jedoch auch die Strafen in das Führungszeugnis aufgenommen, die weniger als 90 Tagessätze umfassen. Dies nennt sich „Ersttäterprivileg“.
Merke: Jeder Strafbefehl kommt ins BZR, aber nicht jeder landet im Führungszeugnis. Für das ‚vorbestraft‘ im Alltag ist das einfache Führungszeugnis entscheidend.
Die Antwort auf die Frage, ob man durch einen rechtskräftigen Strafbefehl als vorbestraft gilt, hängt ebenso vom Strafmaß ab. Wenn eine Strafe nicht ins Führungszeugnis aufgenommen wird, gilt: Der Bestrafte darf sich weiterhin als „nicht vorbestraft“ bezeichnen. Sie dürfen also guten Gewissens im Bewerbungsgespräch sagen, dass sie „nicht vorbestraft“ sind, auch wenn es einen Eintrag im BZR gibt, von dem Sie wissen.
Das einfache Führungszeugnis wird in vielen Fällen dem Arbeitgeber vorgelegt. Das Führungszeugnis für Behörden enthält zum Teil auch die Verurteilungen, die unterhalb der oben genannten 90-Tagessätze Regelung liegen. Ein erweitertes Führungszeugnis gibt es für diejenigen, die sich für Tätigkeiten mit Kindern und Jugendlichen bewerben. In letzterem gibt es zusätzliche Eintragungen zu Sexual-/Kinderschutzdelikten.
Wem eine Geldstrafe droht, der fragt sich üblicherweise, wie hoch diese ausfallen wird. Gem. § 40 StGB richtet sich dies in Deutschland nach dem Netto-Monatsgehalt des Verurteilten.
Nutzen Sie dafür unseren Rechner, um sich Ihren individuellen Tagessatz zu errechnen. Die Ergebnisse gelten als Richtwerte, da eine genaue Höhe des Tagessatzes von vielen Faktoren beeinflusst werden kann. Die Einzelheiten der. Berechnung des Netto-Monatsgehalts ist zwingend mit einem Rechtsanwalt zu besprechen.
Aus rechtlicher Sicht ist ein Beistand in Form eines Rechtsanwalts nicht zwingend. Mit Hinblick auf Fristen, Risiken, Akteneinsicht und Verhandlungstaktik sei aber dringend dazu geraten. Das gilt insbesondere bei hohen Tagessätzen oder drohenden Berufsfolgen.
Grundsätzlich gilt: 2 Wochen ab Zustellung, schriftlich oder zu Protokoll, Gericht im Strafbefehl, Einspruch auch ohne Begründung möglich. In seltenen Fällen kann ein Überschreiten der 2-Wochen-Frist durch eine Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand geheilt werden.
Die klare Antwort lautet: Nein. Ein Einspruch kann zur Wirkung haben, dass der Angeklagte mit einer geringeren oder gar keiner Strafe aus dem Prozess herauskommt. ABER: Der Richter ist nicht an Strafmaß des Strafbefehls gebunden. Die von ihm verhängte Strafe kann steigen oder fallen, hängt von Beweislage, Einlassung und der Verteidigungsstrategie ab.