Schäden durch Unwetter

veröffentlicht am in der Kategorie Allgemein Versicherungsrecht

Die heftigen Unwetter in den vergangenen Tagen haben auch im Essener Raum immense Sachschäden angerichtet. Glücklich schätzen kann sich, wer über ausreichenden Versicherungsschutz verfügt. Doch welche Versicherung für welche Schäden aufkommt, ist für den Laien oft nicht leicht zu beurteilen. Der nachfolgende Artikel soll Klarheit verschaffen.

Vorab: Eine Universalversicherung für Unwetterschäden existiert nicht  Vielmehr teilen sich die unterschiedlichen Versicherungszweige die Risiken.

Schäden am Gebäude

Schäden am Haus und fest damit verbundenen Teilen (etwa wie Antennen) deckt die Wohngebäudeversicherung ab.

So kommt sie grundsätzlich für durch Feuer, Blitz, Sturm, Hagel und auslaufendes Leitungswasser verursachte Schäden wie abgedeckte Dächer, umgestürzte Schornsteine oder Schäden am Haus durch umgestürzte Bäume auf.

Aber Vorsicht: Ein Sturm wird definiert als eine atmosphärisch bedingte Luftbewegung von mindestens Windstärke 8, was einer Windstärke von 61 Stundenkilometern entspricht.

Ob diese Windstärke tatsächlich erreicht wurde, hat der Versicherungsnehmer zu beweisen. Freilich muss er nicht selbst entsprechende Messungen vornehmen; vielmehr reicht es z.B. nach Auffassung des Oberlandesgerichts Karlsruhe aus, dass eine Wetterstation die erforderliche Sturmstärke in der betreffenden Gegend gemessen hat (OLG Karlsruhe, Urteil vom 12.04.2005, Az. 12 U 251/04).

Vorsicht ist auch bei Schäden geboten, die durch sogenanntes Oberflächenwasser, also Regenwasser oder Flüsse und Bäche, die über die Ufer getreten sind, verursacht wurden. Solche sind nur dann mitversichert, wenn ergänzend eine Elementarversicherung abgeschlossen wurde. Nur diese kommt in Fällen überfluteter Keller auf. Der Haken dabei: Den Elementarschutz gibt es nur im Paket, sodass der Versicherungsnehmer sich auch gegen Schäden versichern muss, deren Eintritt in seiner Wohngegend höchst unwahrscheinlich ist. Dies löst nicht selten Verwunderung aus, wenn man bei Prüfung der Versicherungsunterlagen feststellt, dass man auch gegen Vulkanausbrüche versichert ist.

Im Übrigen können Versicherer eine Elementarversicherung dann ablehnen, wenn ihnen das Risiko – etwa aufgrund der Grundstückslage in einem Überschwemmungsgebiet – zu hoch erscheint.

Schäden an der Wohnungseinrichtung

Werden durch das Unwetter Möbel in Mitleidenschaft gezogen, muss die Hausratversicherung dafür aufkommen. Diese erstattet grundsätzlich Schäden an beweglichen Gütern, also Möbeln, Teppichen, technischen Geräten, Kleidung und Gartengeräten, sofern diese zum Zeitpunkt des Schadenseintritts tatsächlich in einem Gebäude untergebracht waren.

Die Ausführungen zur Notwendigkeit des Abschlusses einer Elementarversicherung gelten auch hier.

Die Eintrittspflicht einer Elementarversicherung besteht aber dann nicht, wenn der Versicherungsnehmer es versäumt hat, die Fenster zu schließen und das eintretende Regenwasser den Hausrat beschädigt hat.

Im Zusammenhang mit Blitzeinschlägen ist Folgendes zu beachten:

Schlägt der Blitz direkt in ein Haus ein, kommt für Schäden am Gebäude die Gebäudeversicherung auf. Beschädigt hingegen Überspannung im Stromnetz elektrische Geräte, ist dies in den gängigen Standard-Policen nicht mitversichert. Zu diesem Zweck muss eine zusätzliche „Überspannungsklausel“ vereinbart werden.

Schäden an Fahrzeugen

Sturm-, Hagel- und Überschwemmungsschäden an Autos und Motorrädern sind durch die Teilkaskoversicherung abgedeckt, wobei auch hier ein Sturm die Windstärke 8 erreicht haben muss. Bei Schäden aufgrund geringerer Windstärken kommt nur die Vollkaskoversicherung auf. Gleiches gilt für Unfallschäden, welche auf das Unwetter zurückzuführen sind.

Im Falle eines reinen Unwetterschadens hat der Versicherungsnehmer eine Rückstufung seines Schadensfreiheitsrabatts nicht zu befürchten. Allerdings ist in Kfz-Versicherungsverträgen meist ein Selbstbehalt des Versicherungsnehmers vereinbart.

Haben Dachziegel, Äste, Bäume, Schilder oder sonstige umherfliegende Gegenstände das Auto beschädigt, ist im Vorfeld zu prüfen, ob der jeweilige Eigentümer seiner Verkehrssicherungspflicht nachgekommen ist. Dies ist z.B. zu verneinen, wenn der Dachstuhl nachweislich marode, der Baum morsch, das Schild nicht ordnungsgemäß verankert, der umherfliegende Blumenkübel nicht gesichert war. In diesen Fällen muss sich der Geschädigte hinsichtlich der Regulierung seines Schadens an den Verkehrssicherungspflichten respektive dessen Haftpflichtversicherung halten.

Gleiches gilt auch im Falle von Personenschäden.

Reisebeeinträchtigungen

Muss die Reise aufgrund eingetretener Unwetterschäden vor Antritt abgesagt werden, greift die Reiserücktrittsversicherung; wird sie vorzeitig abgebrochen, ist nur eine Reiseabbruchsversicherung eintrittspflichtig. Voraussetzung ist jedoch, dass der eingetretene Schaden im Verhältnis zum Vermögen erheblich oder die Anwesenheit des Versicherten zur Feststellung des Schadens zwingend erforderlich ist.

Generell gilt:

Schäden durch Unwetter sind der Versicherung umgehend zu melden. Außerdem ist der Versicherungsnehmer verpflichtet, die Schäden durch zumutbare Maßnahmen möglichst gering zu halten. So müssen etwa gefährdete Gegenstände in Sicherheit gebracht werden. Ratsam ist es, die Schäden mit Fotos zu dokumentieren und Zeugen zu benennen. Außerdem dürfen beschädigte Gegenstände nicht ohne Zustimmung des Versicherers repariert oder entsorgt werden.

Die vorstehenden Ausführungen zeigen, dass hinsichtlich des Versicherungsschutzes für Unwetterschäden fein differenziert werden muss. Um böse Überraschungen zu vermeiden, ist daher zu empfehlen, die eigenen Versicherungsunterlagen sorgfältig zu prüfen und sich bei Bedarf zusätzlich abzusichern.

Für Fragen und weitere Informationen zu Schäden durch Unwetter etc. können Sie gerne mit uns Kontakt aufnehmen. Wir beraten Sie gerne.

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