Reiserecht 2021: Stornierungsregeln während der Pandemie

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Auch weiterhin schränkt die Corona-Pandemie das berufliche wie auch private Leben erheblich ein. Restaurants werden nur langsam wieder geöffnet, und auch Urlaube müssen regelmäßig verschoben, storniert oder abgesagt werden. Welche Rechte Betroffene dabei haben, haben wir für Sie zusammengefasst.

Reiserecht während Covid19

Insbesondere während der Corona-Pandemie sind Urlaubs- und Geschäftsreisende leitgeplagt. Immer wieder kommt es zu Stornierungen, Flugannulierungen und Einreisebeschränkungen. Für die Rechtslage im Einzelfall kommt es neben der Unterscheidung von Individual- und Pauschalreisen auch auf das jeweilige Reiseziel an.

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Innerdeutsche Reisen

In Deutschland sind touristische Übernachtungen verboten, wenn die sogenannte Bundes-Notbremse bei einer 7-Tage-Inzidenz über 100 greift. In diesem Fall sind Vermieter und Hoteliers aufgrund des Beherbergungsverbots verpflichtet, die gebuchte Reise von sich aus zu stornieren. Das Hotelzimmer muss dann nicht bezahlt werden; eine etwaige Anzahlung ist zu erstatten.

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War der Gast bereits angereist und muss er aufgrund der steigenden Inzidenzen vorzeitig abreisen, ist eine anteilige Rückzahlung durch den Vermieter bzw. Hotelier zu leisten.

Reiserücktrittsversicherung

Auch außerhalb der Pandemie kann es vorkommen, dass eine gebuchte Reise kurzfristig nicht angetreten werden kann. Eine Reiserücktrittsversicherung kann hier helfen, den finanziell entstehenden Schaden abzumildern.

Beispiel:
Frau Meier bucht einen Wanderurlaub als Pauschalreise. Kurz vor Antritt der Reise bricht sie sich einen Knöchel und muss ins Krankenhaus, um operiert zu werden.

Die Reiserücktrittsversicherung tritt ein, wenn eine Reise aus einem plötzlich eintretenden, unerwarteten Grund nicht angetreten werden kann.

Reiseabbruchversicherung

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Auch bei einer vorzeitigen Rückreise kann die Reiserücktrittsversicherung eintreten, soweit diese auch eine Reiseabbruchsversicherung umfasst.

Beispiel:
Frau Meier erkrankt an Tag 3 ihres zweiwöchigen Urlaubs schwer und muss ins Krankenhaus. Dieses organisiert einen Rücktransport.

Die Versicherung übernimmt dann auch anfallende Mehrkosten, etwa durch Umbuchungen oder Ersatzbuchungen von Flügen.

Corona als schwere Krankheit?

Auch ein positiver Covid19-Test kann eine Krankheit im Sinne der Versicherungsbedingungen darstellen. Dann kann es unter Umständen zu einer Einstandspflicht der Versicherung kommen.

Achtung!

Viele Versicherungsbedingungen beinhalten eine Klausel, die Krankheiten, die von der WHO als Pandemie eingestuft werden, vom Versicherungsschutz ausschließen! Enthält der Vertrag eine solche Klausel, besteht keine Einstandspflicht des Versicherungsunternehmens.

Angst vor Ansteckung

Immer wieder erreicht uns die Frage, ob auch eine vorsorgliche Stornierung, etwa aus Angst vor einer Ansteckung, einen Rückzahlungsanspruch begründet.

Bei solchen präventiven Nichtantritten handelt es sich jedoch gerade nicht um eine Krankheit oder ein unerwartetes Ereignis, so dass Reiserücktrittsversicherungen in aller Regel nicht eintreten werden. Individuelle Ängste und Sorgen sind keine Gründe, bei denen eine Versicherung einspringt.

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Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes

Etwas anderes kann jedoch bei einer offiziellen Reisewarnung des auswärtigen Amtes gelten. Grundsätzlich ist aber auch eine solche Reisewarnung kein Ereignis, das eine Reiserücktrittsversicherung zur Leistung verpflichtet. Es handelt sich nicht um ein versichertes Ereignis. Selbiges gilt auch für ein Einreiseverbot aus speziellen Nationalitäten oder Risikogebieten.

Corona und Pauschalreise

Auch während der Pandemie sind Pauschalreisende besonders geschützt.

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Bei einer Pauschalreise handelt es sich um eine Reise, die sich aus mehreren Einzelleistungen wie etwa Hotel, Flügen und Ausflügen zusammensetzt. Die einzelnen Reiseleistungen müssen dabei eine Gesamtleistung zu einem einheitlichen Preis bilden. Erforderlich sind mindestens zwei weitgehend gleichgeordnete Leistungen. In der Regel handelt es sich also bei der Buchung über ein Reisebüro oder einen Online-Anbieter um eine Pauschalreise.

Beispiel:
Buchung eines All-Inclusive-Urlaubs mit Flügen.

Kostenfreie Stornierung

So können sie bei Vorliegen einer Reisewarnung ihre Reise stornieren. Dabei fallen in der Regel keine Stornogebühren an, soweit es sich um unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände handelt.

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Eine kostenfreie Stornierung ist nur möglich, wenn bei einer Reise die Anreise oder Durchführung durch unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände erheblich beeinträchtigt wird, z.B. weil ein generelles Einreiseverbot für den gebuchten Ort besteht.

Reisemängel und Leistungsänderungen

Auch ist eine kostenfreie Stornierung möglich, wenn mit erheblichen Reisemängeln oder Leistungsänderungen zu rechnen ist. Die Schwelle der Erheblichkeit ist dabei anhand der Vertragsbedingungen zu beurteilen. Alternativ kann auch eine Reisepreisminderung in Betracht kommen.

Achtung!

Die Regelungen zur Pauschalreise gelten dabei auch für Kreuzfahrten.

Stornierung durch den Veranstalter

Wird eine Pauschalreise aufgrund der Pandemie vom Veranstalter abgesagt, erhält der Bucher eine bereits entrichtete Anzahlung erstattet. Schadenersatzansprüche gegen den Reiseveranstalter wegen entgangener Urlaubsfreuden kommen jedoch in der Regel aufgrund der Pandemielage, die als außergewöhnliche Umstände einzuordnen ist, nicht in Betracht.

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Individualreisen

Auch Individualreisende erhalten ihre Anzahlung erstattet, wenn die gebuchte Reiseleistung durch den Veranstalter abgesagt wird.

Beispiel:
Der Flug nach Mallorca wird aufgrund von Einreisebeschränkungen drei Wochen vor Reiseantritt annulliert.

Dasselbe gilt, wenn die Leistung aufgrund der Pandemie nicht erbracht werden kann.

Beispiel:
Der Hotelier darf aufgrund gesetzlicher Bestimmung keine touristischen Übernachtungen anbieten.

In diesem Fall kann der Veranstalter keine Stornogebühren verlangen.

Stornierung von Individualreisen

Darüber hinaus steht Individualreisenden kein besonderes Stornierungsrecht zu. Ist die Einreise grundsätzlich möglich, ist eine kostenfreie Stornierung in aller Regel nicht möglich.

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Bei Hotelbuchungen im Ausland müssen Betroffene dann je nach Vertragsbedingungen auf die Kulanz des Hotelbetreibers hoffen. Wurde das Hotel im Ausland auf einem deutschsprachigen Hotelportal im Internet gebucht, sollte man sich bei einem geplanten Reiserücktritt an das Portal wenden und sich nach den Möglichkeiten einer kostenfreien Stornierung erkundigen.

Fazit

Während der Pandemie gelten im Reiserecht besondere Stornierungs- und Rücktrittsregeln. Darüber hinaus kann unter Umständen auch eine Reiserücktrittsversicherung zur Leistung verpflichtet sein, wenn in den Versicherungsbedingungen kein Ausschluss für Pandemien enthalten ist.

Bei weiteren Fragen zum Thema Reiserecht oder allgemeinen rechtlichen Fragen stehen wir Ihnen gerne auch persönlich zur Seite. Terminvereinbarungen können Sie während unserer Bürozeiten unter der Telefonnummer 0201-24030 oder per Email unter  vornehmen.

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