Neue Gleitzonenregelung für Midijobs

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Zum 01. Juli 2019 wird die Verdienstobergrenze für Midijobs von 850,00 € auf 1.300,00 € angeboben, so dass in Zukunft mehr Arbeitnehmer von den günstigeren Sozialabgaben profitieren können.

Der Midijob

Midijobber zählen ebenso wie der eher bekannte Mini- oder 450-Euro-Jobber zu den Geringverdienern, sind jedoch im Gegensatz zu diesen sozialversicherungspflichtig. Wird die Verdienstobergrenze nicht überschritten, sind jedoch geringere Sozialversicherungsbeiträge zu entrichten.

Nähere Informationen zu 450-Euro-Jobs finden sie hier in unserem Beitrag vom 02.05.2019.

Übergangsbereich für Midijobs

Bei einem Verdienst zwischen 450,01 € und derzeit 850,00 € bzw. ab dem 01. Juli 2019 1.300,00 € wird für die Berechnung des Arbeitnehmeranteils an den Sozialversicherungsbeiträgen eine sogenannte Übergangsbereichsregelung (früher: Gleitzonenregelung) angewandt, § 20 II SGB IV.

Üblicherweise fallen für den Arbeitnehmer Sozialversicherungsbeiträge i.H.v. ca. 21% seines Arbeitsentgelts an. Im Rahmen der Gleitzonenregelung verringert sich dieser Beitragssatz; im Gegenzug trägt der Arbeitgeber einen entsprechend höheren Anteil.

Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge

Die Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge ist für Midijobber relativ kompliziert, weshalb sich die Anwendung eines Gleitzonenrechners anbietet.

Dreischrittige Berechnung

Will man seinen individuellen Sozialversicherungsbeitrag lieber selbst berechnen, erfolgt dies in drei Schritten.

1. Schritt: Berechnung des reduzierten Gleitzonenentgelts

Zunächst muss dazu das reduzierte Gleitzonenentgelt berechnet werden. Dieses ist nach der vom Gesetzgeber vorgegebenen Formel zu bestimmen:

Gleitzonenentgelt = F x 450 + ([1.300/(1.300-450)] – [450/(1.300-450)] x F) x (Monatsbrutto – 450)

Der Faktor F wird dabei für jedes Jahr neu festgelegt und richtet sich nach der Höhe des Gesamtsozialversicherungsbeitrags. Für das Jahr 2019 wurde F auf 0,7566 festgelegt.

Beispiel:
Für ein regelmäßiges Arbeitsentgelt von 600,00 € brutto ergibt sich anhand der Formel so ein reduziertes Gleitzonenentgelt von 509,80 €.

2. Schritt: Berechnung des Gesamtbeitragssatzes

Im Anschluss ist ausgehend von diesem reduzierten Gleitzonenentgelt der Gesamtbeitrag zur Sozialverischerung zu berechnen.

Beispiel:
Ausgehend vom reduzierten Gleitzonenentgelt i.H.v. 509,80 € und dem Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz von 39,65% ergibt sich so ein Gesamtbeitrag von 202,13 €.

3. Schritt: Berechnung der jeweiligen Anteile

In einem letzten Schritt ist dann der jeweilige Anteil des Arbeitnehmers zu berechnen. Dazu wird zunächst der Gesamtsozialversicherungsbeitrag des Arbeitgebers ausgehend vom tatsächlichen Arbeitentgelt berechnet.

Beispiel:
600,00 €*39,65% = 237,90 € Gesamtbeitrag
Diesen tragen Arbeitnehmer und Arbeitgeber hälftig, so dass sich für den Arbeitgeber ein Beitrag i.H.v. 118,95 € ergibt.

Dieser ist dann vom Gesamtbeitrag ausgehend vom reduzierten Gleitzonenentgelt abzuziehen. Der verbleibende Betrag ist der vom Arbeitnehmer zu entrichtende Sozialversicherungsbeitrag.

Beispiel:
Hier war ein Gesamtbeitrag von 202,13 € zu entrichten. Von diesem übernimmt der Arbeitgeber 118,95 €, für den Arbeitnehmer fallen lediglich Sozialversicherungsabgaben i.H.v. 83,18 € (202,13 €-118,95 €) an.

Zusätzlicher Vorteil für Rentenbeiträge

Darüber hinaus wird zum 01. Juli 2019 eine weitere arbeitnehmerfreundliche Neuerung eingeführt: zwar sind auch weiterhin prozentual reduzierte Beiträge zur Rentenversicherung zu entrichten, jedoch führen diese nicht länger zu geringeren Rentenleistungen.

Fazit

Durch die Erweiterung der Gleitzonen- bzw. Übergangsbereichsregelung sparen Midijobber Sozialversicherungsbeiträge, so dass sie am Ende des Monats bei gleichbleibendem Bruttolohn einen höheren Auszahlungsbetrag erhalten. Dennoch sind sie aufgrund des geringeren Beitrags nicht beim Rentenbezug benachteiligt.

Schon gewusst? Die Kanzlei Schumacher steht Ihnen mit kompetenter Rechtsberatung in Essen zur Seite.

Wenn Sie Fragen rund um das Thema Midijobs haben, wenden Sie sich an unsere Steuerberater oder unsere Fachanwälte für Arbeitsrecht und vereinbaren einen Termin. Wir stehen Ihnen gerne und jederzeit für alle Fragen zur Verfügung. Rufen Sie uns an 0201/24030.

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