Neue Beitragsbemessungsgrenzen für die Sozialversicherung

veröffentlicht am in der Kategorie Allgemein Lohnbuchhaltung Steuerberatung Versicherungsrecht

Zum Jahreswechsel treten wie immer zahlreiche rechtliche Änderungen in Kraft. Hierzu gehört auch, dass ab dem 1. Januar 2020 neue Rechengrößen in der Sozialversicherung für das Jahr 2020 gelten. Demnach steigen die Beitragsbemessungsgrenzen in der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung sowie weitere wichtige Werte.

Begrifflichkeiten

Die Beitragsbemessungsgrenzen sind Einkommensobergrenzen. Bis zu diesen Grenzen müssen Arbeitgeber das Bruttoarbeitsentgelt ihrer Mitarbeiter in den einzelnen Versicherungszweigen zur Berechnung der Beiträge heranziehen. Auch für ihre eigenen Bezüge gelten die Beitragsbemessungsgrenzen. Der Teil des Entgelts, der die Beitragsbemessungsgrenze übersteigt, ist nicht mehr beitragspflichtig.

Für die Krankenversicherung und Pflegeversicherung gilt für das gesamte Bundesgebiet eine einheitliche Beitragsbemessungsgrenze. Sie entspricht der besonderen Jahresarbeitsentgeltgrenze. Die Beitragsbemessungsgrenze für die Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung (einheitlich) unterscheidet sich in den alten und den neuen Bundesländern.

Anpassung der Rechengrößen

Mit der Verordnung über die Sozialversicherungsrechengrößen 2020 werden die maßgeblichen Rechengrößen der Sozialversicherung gemäß der Einkommensentwicklung in 2018 turnusgemäß angepasst. Die den Sozialversicherungsrechengrößen 2020 zugrundeliegende Einkommensentwicklung im Jahr 2018 betrug im Bundesgebiet 3,12 %, in den alten Bundesländern 3,06 % und in den neuen Bundesländern 3,38 %. Bei der Ermittlung der jeweiligen Einkommensentwicklung wird auf die Veränderung der Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer ohne Personen in Arbeitsgelegenheiten mit Entschädigungen für Mehraufwendungen („Ein-Euro-Jobs“) abgestellt. 

Schon gewusst? Durch den gestiegenen Mindestlohn können Minijobs unbemerkt sozialversicherungspflichtig werden.

Die wichtigsten Rechengrößen für 2020

Die Bezugsgröße, die für viele Werte in der Sozialversicherung Bedeutung hat (z.B. für die Festsetzung der Mindestbeitragsbemessungsgrundlagen für freiwillige Mitglieder in der gesetzlichen Krankenversicherung und für die Beitragsberechnung von versicherungspflichtigen Selbständigen in der gesetzlichen Rentenversicherung), erhöht sich auf 3.185 €/Monat (2019: 3.115 €/Monat). Die Bezugsgröße (Ost) steigt auf 3.010 €/Monat (2019: 2.870 €/Monat).

Die Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung steigt von 6.700 €/Monat auf 6.900 €/Monat. Die Beitragsbemessungsgrenze (Ost) erhöht sich von 6.150 €/Monat auf 6.450 €/Monat.

Die bundesweit einheitliche Versicherungspflichtgrenze in der gesetzlichen Kranken-versicherung (Jahresarbeitsentgeltgrenze) wird von 60.750 € auf 62.550 € angehoben. Damit wird auch die Hürde für den Wechsel in die private Krankenversicherung höher. Die ebenfalls bundesweit einheitliche Beitragsbemessungsgrenze für das Jahr 2020 in der gesetzlichen Krankenversicherung beträgt nunmehr 56.250 € jährlich (2019: 54.450 €), d.h. 4.687,50 € monatlich (2019: 4.537,50 €). 

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Größere Belastung durch höhere Sozialversicherungsbeiträge

Die steigenden Beitragsbemessungsgrenzen bedeuten für Arbeitgeber und die betroffenen Beschäftigten eine höhere Beitragsbelastung.

Beispiel:

Ein Mitarbeiter (alte Bundesländer) hat im Jahr 2019 monatlich 6.900 € brutto verdient. Im Jahr 2020 wird er dasselbe erhalten. 

  • 2019: Berechnung der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung aus einem Entgelt von maximal 4.537,50 € monatlich und in der Rentenversicherung sowie Arbeitslosenversicherung aus einem Entgelt von maximal 6.700 €.
  • 2020: Berechnung der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung aus einem Entgelt von maximal 4.687,50 € und in der Rentenversicherung sowie Arbeitslosenversicherung aus dem gesamten Entgelt von 6.900 €.

Drohende Nachzahlungen bei Nichtbeachtung

Arbeitgeber sollten das Ansteigen der Beitragsbemessungsgrenzen rechtzeitig beachten, um zu vermeiden, dass für Besserverdienende zu geringe Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge abgeführt werden. Spätestens nach der nächsten Betriebsprüfung kann dies zu erheblichen Nachzahlungen führen.

Bei weiteren Fragen zum Thema Sozialversicherung, stehen wir Ihnen gerne auch persönlich zur Seite. Terminvereinbarungen können Sie während unserer Bürozeiten unter der Telefonnummer 0201-24030 oder per Email unter  vornehmen.

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