Die kurzfristige Beschäftigung

veröffentlicht am in der Kategorie Allgemein Arbeitsrecht Lohnbuchhaltung Steuerberatung

Bereits in unseren vorangegangenen Beiträgen informierten wir Sie über Mini- und Midijobs. Eine Alternative zu diesen Anstellungsformen kann, insbesondere wenn es sich um zeitlich begrenzte Aushilfstätigkeiten handelt, auch die sogenannte kurzfristige Beschäftigung sein.

Wann liegt eine kurzfristige Beschäftigung vor?

Die kurzfristige Beschäftigung, teilweise auch als 70-Tages-Beschäftigung bezeichnet, ist ein befristetes Arbeitsverhältnis. Erfasst sind Beschäftigungsverhältnisse, die

  • bei einer fünf-Tage-Woche drei Monate bzw.
  • bei einer Arbeitswoche von unter fünf Tagen 70 Arbeitstage in einem 12-Monats-Zeitraum

nicht übersteigen. Außerdem darf die kurzfristige Beschäftigung nicht berufsmäßig ausgeübt werden. Dazu ist neben der Einhaltung der zeitlichen Obergrenzen erforderlich, dass die Beschäftigung für den Arbeitnehmer lediglich von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung ist. Nicht berufsmäßig sind also etwa Ferien- oder Aushilfstätigkeiten, die neben einem Hauptjob, der Schule oder dem Studium in geringem Umfang ausgeübt werden.

Wie kommt eine kurzfristige Beschäftigung zustande?

Auch die kurzfristige Beschäftigung ist ein Arbeitsverhältnis, das durch einen entsprechenden Arbeitsvertrag begründet wird. Da es sich um ein befristetes Arbeitsverhältnis handelt, muss dieser schriftlich und vor Aufnahme der Tätigkeit geschlossen werden.

Wie ist das Arbeitsverhältnis ausgestaltet?

Kurzfristig beschäftigte Arbeitnehmer haben grundsätzlich die gleichen Rechte wie reguläre Arbeitnehmer. Auch sie sind über den Arbeitgeber unfallversichert, haben einen Urlaubsanspruch und ab einer Beschäftigungsdauer von vier Wochen einen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Was darf man verdienen?

Im Unterschied zum Midi- und Minijob ist bei der kurzfristigen Beschäftigung keine Verdienstobergrenze vorgesehen. Für einen zeitlich begrenzten Zeitraum darf der Arbeitnehmer also unbegrenzt viel verdienen. Jedoch sind auch hier die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes zu beachten.

Was sind die Vorteile für Arbeitnehmer?

Für die kurzfristige Beschäftigung sind keine Sozialversicherungsabgaben zu entrichten; vom Arbeitslohn werden also keine Beiträge zur Kranken-, Renten-, Arbeitslosen-, und Pflegeversicherung abgezogen. Der Arbeitnehmer erhält so ein vergleichsweise hohes Nettogehalt.

Von den Sozialversicherungsabgaben zu unterscheiden ist die Lohnsteuer, die auch auf Einnahmen aus einem kurzfristigen Beschäftigungsverhältnis zu entrichten ist. Gleiches gilt ggf. für die Kirchensteuer und den Solidaritätszuschlag.

Wie berechnet sich die Lohnsteuer?

Die Höhe der Lohnsteuer richtet sich grundsätzlich nach der Lohnsteuerklasse des Arbeitnehmers. Wahlweise kann das Gehalt auch mit einer Pauschalsteuer von 25 % (zzgl. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer)versteuert werden, wenn

  • der Arbeitnehmer nicht mehr als 18 zusammenhängende Arbeitstage tätig wird,
  • durchschnittlich nicht mehr als 12 Euro pro Stunde und
  • nicht mehr als 72 Euro pro Arbeitstag verdient.

§ 40 a EStG
(1) Der Arbeitgeber kann… bei Arbeitnehmern, die nur kurzfristig beschäftigt werden, die Lohnsteuer mit einem Pauschsteuersatz von 25 Prozent des Arbeitslohns erheben. Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn der Arbeitnehmer bei dem Arbeitgeber gelegentlich, nicht regelmäßig wiederkehrend beschäftigt wird, die Dauer der Beschäftigung 18 zusammenhängende Arbeitstage nicht übersteigt und
1. der Arbeitslohn während der Beschäftigungsdauer 72 Euro durchschnittlich je Arbeitstag nicht übersteigt oder
2. die Beschäftigung zu einem unvorhersehbaren Zeitpunkt sofort erforderlich wird.

Was sind die Vorteile für Arbeitgeber?

Auch für den Arbeitgeber kann die kurzfristige Beschäftigung eine attraktive Alternative zum Mini- oder Midijob darstellen. Vom Arbeitgeber sind ebenfalls der Solidaritätsbeitrag und ggf. Kirchensteuerbeiträge abzuführen, außerdem muss er die Arbeitgeberumlagen U1 und U2 an die Krankenkassen bezahlen. Darüber hinaus fallen jedoch auch für den Arbeitgeber keine Sozialabgaben an, so dass im Vergleich zu regulären Mitarbeitern die Lohnnebenkosten geringer sind.

Ist die kurzfristige Beschäftigung auch für mich eine Alternative?

Planen Sie eine zeitlich begrenzte Tätigkeit, die nicht ihrer hauptberuflichen Tätigkeit entspricht, kann die kurzfristige Beschäftigung damit eine attraktive Alternative darstellen. Während für den Arbeitgeber geringere Lohnnebenkosten anfallen, erhält der kurzfristig beschäftigte Arbeitnehmer aufgrund der Sozialversicherungsfreiheit ein vergleichsweise hohes Nettoeinkommen.

Schon gewusst? Die Kanzlei Schumacher steht Ihnen mit kompetenter Rechtsberatung in Essen zur Seite.

Wenn Sie Fragen rund um das Thema kurzfristige Beschäftigung und Beschäftigungsformen haben, wenden Sie sich an unsere Steuerberater oder unsere Rechtsanwälte für Arbeitsrecht und vereinbaren einen Termin. Wir stehen Ihnen gerne und jederzeit für alle Fragen zur Verfügung. Rufen Sie uns an 0201/24030.

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