Ist die Weihnachtsfeier Pflicht? – Arbeitsrecht 2020

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Zur Weihnachtszeit veranstalten viele Arbeitgeber in ihrem Betrieb eine Weihnachtsfeier für die Beschäftigten des Unternehmens. Für manche Arbeitnehmer ist diese Zusammenkunft jedoch eher lästige Veranstaltung, von der sie fernbleiben möchten. Dies ist tatsächlich ihr Recht, denn es gibt grundsätzlich keine Pflicht, an einer Betriebsweihnachtsfeier teilzunehmen.

Keine vertragliche Verpflichtung

Ist die Feier für einen Abend außerhalb der regulären Arbeitszeit geplant, so besteht ohnehin keine Teilnahmepflicht der Beschäftigten. Denn hier bewegt man sich außerhalb der arbeitsvertraglich festgelegten Arbeitszeit, in welcher der Unternehmensleitung kein Weisungsrecht zusteht.

Findet die Weihnachtsfeier im Rahmen der Arbeitszeit statt, so besteht auch hier keine gesetzliche Pflicht zur Anwesenheit. Denn es handelt sich um keine arbeitsvertragliche Hauptpflicht. Diese liegt vielmehr in der Erbringung der Arbeitsleistung.

§ 611a BGB

(1) Durch den Arbeitsvertrag wird der Arbeitnehmer im Dienste eines anderen zur Leistung weisungsgebundener, fremdbestimmter Arbeit in persönlicher Abhängigkeit verpflichtet. […]

Feiern oder arbeiten?

Wird dann allerdings nicht an der Feier teilgenommen, so hat der Arbeitnehmer normal bis zum Feierabend weiterzuarbeiten, da die Freistellung von der Arbeitsleistung für die Dauer der Weihnachtsfeier in der Regel nur für die tatsächlich daran teilnehmenden Mitarbeiter gilt.

Etwas anderes kann sich beispielsweise ergeben, wenn das Arbeiten aufgrund der Abwesenheit der Kollegen faktisch nicht möglich ist. Dann ist allerdings auch die Zustimmung des Dienstvorgesetzten dafür einzuholen, dass man früher nach Hause gehen kann.

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Geltung der arbeitsvertraglichen Nebenpflichten

Nimmt der Arbeitnehmer jedoch an der Weihnachtsfeier teil, so ist zu beachten, dass er sich nicht in einem „rechtsfreien“ Gebiet bewegt. Trotz der Feierlichkeit bestehen weiterhin die arbeitsvertraglichen Nebenpflichten. Wird gegen diese – zum Beispiel durch Beleidigung des Vorgesetzten – wiederholt verstoßen, so kann eine verhaltensbedingte, im Ernstfall sogar eine außerordentliche Kündigung drohen.

§ 626 BGB

(1) Das Dienstverhältnis kann von jedem Vertragsteil aus wichtigem Grund ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gekündigt werden, wenn Tatsachen vorliegen, auf Grund derer dem Kündigenden unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles und unter Abwägung der Interessen beider Vertragsteile die Fortsetzung des Dienstverhältnisses bis zum Ablauf der Kündigungsfrist oder bis zu der vereinbarten Beendigung des Dienstverhältnisses nicht zugemutet werden kann. […]

Weihnachtsfeier als betriebliche Veranstaltung

Die Weihnachtsfeier ist eine betriebliche Veranstaltung, sodass für ihre Dauer selbstverständlich Versicherungsschutz in der gesetzlichen Unfallversicherung für alle mit dem Gemeinschaftszweck der Veranstaltung zu vereinbarenden Tätigkeiten besteht. Gedeckt wird auch der direkte Heimweg nach dem offiziellen Ende der Feier.

§ 2 SGB VII

(1) Kraft Gesetzes sind versichert

1. Beschäftigte […].

Corona: Sind dieses Jahr Weihnachtsfeiern erlaubt?

Weihnachtsfeiern werden in der Regel frühzeitig geplant. In diesem Jahr wird das aber schwierig bis unmöglich. Denn: sind die Coronazahlen am Veranstaltungsort zu hoch, müssten Teilnehmerzahlen teils deutlich reduziert oder Veranstaltungen abgesagt werden. Ab 50 Infektionen auf 100 000 Menschen in den letzten sieben Tagen (sog. sieben-Tages-Inzidenz) sind nach der aktuellen Coronaschutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen nur noch 25 Teilnehmer bei Feiern erlaubt. Ab einer sieben-Tages-Inzidenz von 35 sind Feiern im öffentlichen Raum nur bis zu 50 Teilnehmern gestattet.

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Abgesehen davon, besteht vielerseits die Sorge, dass sich die gemütliche Feier zum “Corona-Hotspot” im Unternehmen entwickelt, so dass schon deshalb auf eine Weihnachtsfeier verzichtet wird.

Eine mögliche Alternative zur Präsenzveranstaltung: Digitales After-Work!

Fazit

Auch wenn die betriebliche Weihnachtsfeier keine Pflichtveranstaltung ist, kann sich eine Teilnahme für den Arbeitnehmer doch lohnen, da auch die Möglichkeit besteht, seine Mitarbeiter oder den Vorgesetzten in einer ungezwungenen Atmosphäre näher kennenzulernen. Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass Respekt und ein angemessenes Verhalten unerlässlich sind, um Streitigkeiten im Nachhinein zu vermeiden.

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Wenn Sie Fragen zum Thema Weihnachtsfeier haben, wenden Sie sich an unsere Fachanwälte für Arbeitsrecht und vereinbaren einen Termin. Wir stehen Ihnen gerne und jederzeit für alle Fragen zur Verfügung. Rufen Sie uns an 0201/24030.

Schumacher | Rechtsanwälte · Notare · Steuerberater
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