Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

veröffentlicht am in der Kategorie Allgemein Gesellschaftsrecht StartUp-Beratung Steuerberatung

Bereits in einem unserer vorangegangenen Beiträge erhielten Sie einen Überblick über wichtige Aspekte, die bei der Wahl der Rechtsform für ihre Unternehmensgründung berücksichtigt werden sollten. Heute möchten wir Ihnen als Teil unserer Beitragsreihe für StartUps die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) vorstellen.

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Gründung

Die GbR ist die ursprüngliche Form der Personengesellschaften. Für ihre Gründung sind mindestens zwei Gesellschafter erforderlich, die sich zur Förderung eines gemeinsamen Gesellschaftszwecks zusammenschließen. Häufig wird hierzu ein Gesellschaftsvertrag geschlossen, jedoch ist dies nicht zwingend vorgeschrieben. Darüber hinaus ist eine Gewerbeanmeldung beim Gewerbe- und Finanzamt erforderlich.

§ 705 BGB
Durch den Gesellschaftsvertrag verpflichten sich die Gesellschafter gegenseitig, die Erreichung eines gemeinsamen Zweckes in der durch den Vertrag bestimmten Weise zu fördern, insbesondere die vereinbarten Beiträge zu leisten.

Gesellschaftszweck

Als Gesellschaftszweck kann jeder erlaubte Zweck mit Ausnahme des Betriebs eines Handelsgewerbes dienen. Ein Handelsgewerbe liegt nach § 1 HGB vor, wenn das Unternehmen einen in Art und Umfang kaufmännisch eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert. Ist das der Fall, erfolgt eine automatische Umwandlung in eine OHG.

Schon gewusst? Rechtsformwahl bei der Unternehmensgründung

Beitragspflicht

Ein Mindestkapital ist für die Gründung einer GbR nicht erforderlich, jedoch besteht eine Beitragspflicht der Gesellschafter. Die Beiträge können z.B. in Geldleistungen, aber auch in der Übereignung von Sachen oder der Erbringung von Arbeitsleistung bestehen. Ist nichts anderes vereinbart, schulden alle Gesellschafter die gleichen Beiträge, § 706 BGB.

Beispiel:
Herr Müller und Frau Schulte möchten gemeinsam Hausmeisterdienste anbieten. Sie schließen einen Gesellschaftsvertrag und gründen die „Müller & Schulte Hausmeisterservice GbR“. Im Vertrag verpflichten sie sich, der Gesellschaft wöchentlich mindestens 20 h ihrer Arbeitszeit zur Verfügung zu stellen. Außerdem bringen beide Gesellschafter je 1.000 € zur Anschaffung von Material ein.

Vermögenszuordnung

Soweit im Gesellschaftsvertrag nichts Abweichendes geregelt ist, handelt es sich um eine Gesamthandsgemeinschaft; das Gesellschaftsvermögen gehört also der Gesellschaft und nicht den einzelnen Gesellschaftern.

Beispiel:
Zum Gesellschaftsvermögen gehört ein Staubsauger im Wert von 300 € sowie Verbrauchsmaterialien im Wert von 700 €. Daraus ergibt sich ein Gesellschaftsvermögen im Wert von 1.000 €.

Verfügung über Mitgliedsanteile

Aus dieser Gesamthandsgemeinschaft folgt, dass die Gesellschafter nicht frei über ihren Anteil verfügen können. Bei Ausscheiden eines Gesellschafters steht diesem ein schuldrechtlicher Ausgleichsanspruch zu, jedoch kann er keinen bestimmten Sachwert herausverlangen.

Beispiel:
Scheidet Herr Müller nun aus der Gesellschaft aus, steht ihm ein Auszahlungsanspruch in Höhe von 500€ zu. Er kann jedoch nicht die Herausgabe des Staubsaugers verlangen.

Gewinnverteilung

Die Gewinnverteilung erfolgt nach Köpfen, § 722 BGB. Im Gesellschaftsvertrag oder durch andere vertragliche Ergänzung kann aber auch eine abweichende Gewinnverteilung geregelt werden.

Beispiel:
Die „Müller & Schulte Hausmeisterservice GbR“ erwirtschaftet im Jahr 2018 einen Gewinn von 50.000 €. Hiervon stehen Herr Müller und Frau Schulte jeweils 25.000 € zu.

Geschäftsführung und Vertretung

Die Willensbildung und Beschlussfassung im Innenverhältnis der Gesellschaft erfolgt durch Beschlussfassung im Rahmen der Gesellschafterversammlung. Nach außen wird die Gesellschaft durch alle Gesellschafter gemeinsam vertreten.

Haftung

Die Haftung einer GbR ist unbeschränkt und unbeschränkbar. Neben der Gesellschaft mit dem Gesellschaftsvermögen haften auch die Gesellschafter mit ihrem vollen Privatvermögen.

Beispiel:
Der „Müller & Schulte Hausmeisterservice GbR“ wurden Waren im Wert von 5.000€ geliefert und nicht bezahlt. Der Lieferant hat nun die Wahl, ob er seinen Anspruch gegenüber der Gesellschaft oder gegenüber Herrn Müller oder Frau Schulte als persönlich haftenden Gesellschaftern geltend macht.

Buchführung und steuerliche Behandlung

Für die GbR ist die einfache Buchführung mit Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) ausreichend. Eine Bilanzierung ist aber immer freiwillig möglich.

Die Besteuerung des Gewinns erfolgt auf Basis der Gewinnverteilung auf die Gesellschafter.
Zunächst ist von der GbR Gewerbesteuer zu entrichten und ggf. Umsatzsteuer an das Finanzamt abzuführen.
Die einzelnen Gesellschafter haben sodann, abhängig von ihrem Gewinnanteil, ihre individuelle Einkommensteuer abzuführen.

Fazit

Ob sich die GbR als Rechtsform auch für Ihr Unternehmen eignet, ist abhängig von einer Vielzahl individueller Faktoren und sollte stets im Einzelfall geprüft werden.  Zwar macht die Gründung ohne Mindestkapital sowie die verhältnismäßig unkomplizierten Buchführung die GbR für viele Existenzgründer zu einer attraktiven Möglichkeit; jedoch ist auch das nicht beschränkbare Risiko der vollen persönlichen Haftung der Gesellschafter zu berücksichtigen.

Schon gewusst? Die Kanzlei Schumacher steht Ihnen mit kompetenter Steuerberatung und Rechtsanwälten in Essen zur Seite.

Wenn Sie Fragen rund um das Thema StartUp, Unternehmensgründung und Rechtsformwahl haben, wenden Sie sich an unsere Steuerberater oder an unsere Rechtsanwälte für Handels- und Gesellschaftsrecht und vereinbaren einen Termin. Wir stehen Ihnen gerne für alle Fragen zur Verfügung.

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