Entschädigung bei Hotelüberbuchung

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Reisende können bei Pauschalreisen, auch wenn sie nur wenige Tage in einem anderen als dem gebuchten Hotel untergebracht werden, einen Anspruch auf angemessene Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit haben. Dies entschied der Bundesgerichtshof (BGH) mit seinem Urteil vom 21. November 2017.

Sachverhalt

Die Kläger hatten Anfang 2015 eine Reise bei einem Reiseveranstalter gebucht. Dabei sollten sie in dem ausgesuchten Hotel in einem Zimmer mit (seitlichem) Meeresblick untergebracht werden. Vor Ort wurden sie jedoch wegen einer Überbuchung für drei Tage in einem anderen Hotel untergebracht, in welchem ihr Zimmer keinen Meeresblick bot und schwerwiegende Hygienemängel aufwies. Nach ihrer Rückreise machten die Kläger gegen den Reiseveranstalter die Minderung des Reisepreises sowie eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit geltend. Amts- und Landgericht gaben der Klage hinsichtlich der Minderung des Reisepreises statt, wiesen sie jedoch im Übrigen ab.

Unterbringung in anderem Hotel als Reisemangel

Das Reiseunternehmen hatte gegen die Entscheidung des Landgerichts, wonach den Klägern eine Minderung in Höhe von insgesamt 976,55 € zugestanden wurde, Revision eingelegt. Nach Ansicht des BGH stellt die ersatzweise Unterbringung der Reisenden in einem Hotel wegen Überbuchung einen Reisemangel dar, auch wenn es grundsätzlich ähnliche Standards und eine ähnliche Ausstattung aufweist, wie das eigentlich gebuchte Hotel. Aus diesem Grund sei für die betroffenen Urlaubstage eine Verringerung des geschuldeten Reisepreises begründet, da der Wert der tatsächlich erbrachten Leistung nicht dem der gebuchten Leistung entsprochen habe. Ein Teil des Reisepreises wäre von den Reisenden dafür aufgebracht worden, dass sie ihre Hotelauswahl nach ihren persönlichen Vorlieben selber treffen konnten.

§ 651c BGB
(1) Der Reiseveranstalter ist verpflichtet, die Reise so zu erbringen, dass sie die zugesicherten Eigenschaften hat und nicht mit Fehlern behaftet ist, die den Wert oder die Tauglichkeit zu dem gewöhnlichen oder nach dem Vertrag vorausgesetzten Nutzen aufheben oder mindern.

§ 651d BGB
(1) Ist die Reise im Sinne des § 651c Abs. 1 mangelhaft, so mindert sich für die Dauer des Mangels der Reisepreis […].

Entschädigung für „nutzlos aufgewendete“ Urlaubszeit

Anders als die Vorinstanzen bejahte der BGH zudem eine erhebliche Beeinträchtigung der gesamten Reise und somit einen Anspruch der Kläger auf eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit.

§ 651f BGB
[…]
(2) Wird die Reise vereitelt oder erheblich beeinträchtigt, so kann der Reisende auch wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit eine angemessene Entschädigung in Geld verlangen.

Die nach dem Hotelwechsel verbleibenden Tage hätten zwar von den Klägern uneingeschränkt zur Erholung genutzt werden können. Die drei Tage in dem anderen Hotel unter unzumutbaren unhygienischen Zuständen hätten jedoch zu einer Entwertung eines Teils der Urlaubszeit geführt, sodass diese zum Teil „nutzlos aufgewendet“ und die Reise im Ganzen erheblich beeinträchtigt worden sei.

Fazit

Reisenden steht bei der Buchung über einen Reiseveranstalter eine Unterbringung in dem Hotel zu, welches sie für ihren Urlaub tatsächlich gebucht haben. Ansonsten führt die Unterbringung in einer Ersatzunterkunft für die betroffenen Urlaubstage zu einer Minderung des geschuldeten Reisepreises. Weist die Ersatzunterkunft zudem schwerwiegende Hygienemängel auf oder weicht sie anderweitig negativ erheblich von dem Standard des gebuchten Hotels ab, so steht den Reisenden zusätzlich eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit zu.

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