Arbeitsrecht 2022: Schwänzen der Prüfung berechtigt zur Kündigung

veröffentlicht am in der Kategorie Allgemein Allgemeines Zivilrecht Arbeitsrecht

Prüfungsangst ist weit verbreitet. Schnell liegt der Gedanke nahe, sich einfach krank zu melden. Dass dies nicht immer eine gute Idee ist, verdeutlicht die aktuelle Entscheidung des Arbeitsgerichts Siegburg.

Der Sachverhalt

Der Entscheidung lag die Kündigungsschutzklage eines Auszubildenden zum Sport- und Gesundheitstrainer zugrunde. Im Rahmen seiner Ausbildung bestand er eine schulische Prüfung nicht. Zum angesetzten Nachholtermin meldete er sich unter Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung krank. Dennoch absolvierte er im Anschluss ein Krafttraining im Fitnessstudio seines Arbeitgebers.

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Das Verfahren

Das Fitnessstudio als zugleich Arbeitgeber des Azubis zweifelte an der Richtigkeit der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Noch am selben Tag sprach es eine fristlose Kündigung aus. Dabei berief es sich darauf, der Auszubildende habe sich nur krankschreiben lassen, um der Wiederholungsprüfung zu entgehen.

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Hiergegen wandte sich der gekündigte Auszubildende mit seiner Kündigungsschutzklage – jedoch ohne Erfolg.

Die Entscheidung

So urteilten die Siegburger Richter*innen, die fristlose Kündigung sei wirksam. Sie schlossen sich der Ansicht des Arbeitgebers an und urteilten, der Auszubildende sei niemals krank gewesen, sondern habe nur der Prüfung entgehen wollen.

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Das Arbeitsverhältnis

Im Arbeitsverhältnis verpflichtet sich der Arbeitnehmer zur Erbringung der geschuldeten Arbeitsleistung. Der Arbeitgeber ist zur Zahlung der vereinbarten Vergütung verpflichtet, § 611 a BGB.

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Im Grundsatz gilt dieses Prinzip auch für das Ausbildungsverhältnis. Jedoch soll hier die Ausbildung gegenüber der Arbeitskraft im Vordergrund stehen.

Pflichtverletzung

Eine arbeitgeberseitige fristlose Kündigung stellt insbesondere im Ausbildungsverhältnis eine große Ausnahme dar. Außerhalb der Probezeit bedarf sie einer erheblichen Pflichtverletzung des Auszubildenden.

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Diese Voraussetzungen sahen die Richter*innen im zu entscheidenden Fall als erfüllt an. Denn „kein Auszubildender dürfe davon ausgehen, dass dessen Ausbilder es hinnimmt, falsche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen vorgelegt zu bekommen, um sich den anstehenden Prüfungen, insbesondere wenn es sich um eine Nachholprüfung handelt, zu entziehen.“ Schon aus diesem Grund sei die Weiterbeschäftigung des Auszubildenden für den Arbeitgeber unzumutbar.

Fazit

Die aktuelle Entscheidung des Arbeitsgerichts Siegburg verdeutlicht, dass auch bei vorgelegter Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eine Erkrankung widerlegt werden kann. Jedoch sind hieran hohe Anforderungen zu stellen und es bedarf einer sorgfältigen Prüfung des Einzelfalls.

Noch Fragen?

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