Arbeitsrecht 2022: Keine Altersdiskriminierung bei absichtlich schlechter Bewerbung

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Wer eine Absage des potenziellen Arbeitgebers durch eine absichtlich schlechte Bewerbung provozieren will, hat keinen Anspruch auf Entschädigung für eine Altersdiskriminierung. Dies hat das Bundesarbeitsgericht („BAG“) entschieden.

Der Sachverhalt

Der Kläger befindet sich im Ruhestand. Mit 70 Jahren bewarb er sich auf eine Bürosachbearbeiterstelle beim Technischen Hilfswerk („THW“). Zuvor war er Oberamtsrat im Bundespresseamt gewesen. Das THW hatte in seiner Ausschreibung unter anderem Wert auf

  • Aufgeschlossenheit für IT-Anwendung,
  • Freundlichkeit sowie
  • gutes mündliches und schriftliches Ausdrucksvermögen gelegt.

Die Bewerbung sollte über ein Online-Portal erfolgen. Der Kläger übersandte seine Unterlagen jedoch per Mail. Sein Anschreiben enthielt dabei zahlreiche Rechtschreibfehler und es wurde das höhere Lebensalter betont. Zu den gestellten Anforderungen wurde nur wenig gesagt.

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Teure Absage

Das THW bat den Kläger, das Bewerbersystem zu verwenden. Hierauf antwortete er „sorry mit Ihnen kann ich nicht arbeiter. Bitte stornieren sie meine Bewerbung“. Trotzdem nahm er nach einer manuellen Übernahme seiner Daten in das System durch das THW am weiteren Bewerbungsverfahren teil. Schließlich erhielt er aber dennoch eine Absage. Gegen diese klagte der Mann, da er sich wegen seines Alters diskriminiert sah. Sowohl das Arbeitsgericht Bonn, als auch das Landesarbeitsgericht Köln sprachen ihm eine Entschädigung nach § 15 (2) AGG in Höhe von 2.500 Euro zu.

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BAG: Wer Absage provoziert handelt rechtsmissbräuchlich

Dem folgte das BAG nun nicht. Das Gericht kam zu dem Schluss, dass nach dem Gesamtbild der Bewerbung in rechtsmissbräuchlicher Art und Weise eine Absage provoziert werden sollte. Dies schließe Ansprüche aus dem AGG grundsätzlich aus.

Die Bewerbung sollte aus Sicht der Richter:innen nur eine Entschädigungsforderung nach sich ziehen. Hierfür sprach aus Sicht des OLG, dass der Kläger sein Alter betonte, ohne zu den eigentlich gestellten Anforderungen viel zu sagen. Er habe gerade das Fehlen wichtiger Voraussetzungen betont, indem er seine Schreiben ohne Anrede und Grußformel verfasste. Dies spräche gerade gegen eine besondere Freundlichkeit, so die Richter:innen. Auch die fehlende Nutzung des für die Bewerbung vorgesehenen Portals spreche gegen das Vorliegen von Aufgeschlossenheit für IT-Anwendung.

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Fazit

Das BAG stellte abschließend fest, dass dem Kläger als Oberamtsrat a.D. bewusst gewesen sein müsse, dass ein Schreiben mit zahlreichen Rechtsschreib- und Grammatikfehlern keine Empfehlung für eine Bürotätigkeit darstellt. Damit erhält der Kläger nun keine Entschädigung. Das Urteil ist zu begrüßen, da es in den letzten Jahren vermehrt zur Praxis geworden ist, dass sich Personen auf Stellen bewerben und hierbei auf eine Absage setzen, um so eine Entschädigungsforderung geltend machen zu können. Diesem Phänomen könnte nun mehr und mehr Einhalt geboten werden.

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