2021: Neues im Steuerrecht zum Jahreswechsel

veröffentlicht am in der Kategorie Allgemein Lohnbuchhaltung Steuerberatung

Zum Jahreswechsel 2020/2021 sind wieder zahlreiche gesetzliche Neuregelungen geplant. Davon bleibt auch das Steuerrecht nicht unberührt. Manche steuerliche Entlastung fällt weg, an anderen Stellen werden Kosten bei der Steuer künftig begünstigt. Hier sind die wichtigsten Neuregelungen für Sie im Überblick:

Diese steuerlichen Entlastungen fallen weg

Unternehmen sollten beachten, dass zum Jahreswechsel voraussichtlich einige coronabedingte steuerliche Entlastungen wieder wegfallen.

Hierzu zählt auch die befristete Senkung der Mehrwertsteuersätze. Allerdings gilt eine Besonderheit für die Gastronomie: Hier gilt der gesenkte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent für Speisen noch bis zum 30. Juni 2021! 

Außerdem fallen diese Sonderregelungen weg:

  • Erleichterungen bei Stundungsanträgen;
  • Herabsetzung von Vorauszahlungen,keine  Vollstreckungsmaßnahmen für unmittelbar und nicht unerheblich betroffene Unternehmen durch die Corona-Krise, sowie Erlass von Säumniszuschlägen für diese Unternehmen;
  • lohnsteuerfreie Sonderleistungen nach § 3 Nr. 11 EStG bis 1.500 Euro.

Fälligkeitsfrist für die Einfuhrumsatzsteuer

Durch das Zweite Steuerhilfegesetz wurde außerdem die Fälligkeitsfrist für Einfuhrumsatzsteuer, für die ein Zahlungsaufschub bewilligt ist, verschoben.

Die Einfuhrumsatzsteuer fällt bei der Einfuhr von Waren an, die aus Drittländern – d.h. nicht aus EU-Ländern – importiert werden.

Das Bundesfinanzministerium hat mit Schreiben vom 6. Oktober 2020 bekannt gegeben, dass für Einfuhren des Aufschubzeitraums Dezember der Termin nun einheitlich vom 16. Januar 2021 auf den 26. Februar 2021 verschoben wird.

Jahressteuergesetz 2020

Bundesrat und Bundestag haben dem Entwurf eines Jahressteuergesetzes 2020 (JStG 2020) zugestimmt. 

Die Jahressteuergesetze umfassen in praktisch jedem Jahr eine Vielzahl steuerlicher Änderungen. 

So sind in dem umfangreichen Entwurf des JStG 2020 beispielsweise vor allem Änderungen in folgenden Gesetzen geplant: 

  • Einkommensteuergesetz (EStG)
  • Körperschaftsteuergesetz
  • Gewerbesteuergesetz
  • Umsatzsteuergesetz
  • Abgabenordnung

Besonders Interessant: Mehr Kosten bei Investitionsabzugsbeträgen begünstigt

Sehr interessante Neuregelungen für Unternehmen sind bei den Investitionsabzugsbeträgen nach § 7g des EStG geplant. Hierzu zählen beispielsweise:

  • Künftig sollen 50 statt 40 % der Investitionskosten begünstigt werden. 
  • Als Voraussetzung für eine Inanspruchnahme von Investitionsabzugsbeträgen soll eine einheitliche Gewinngrenze in Höhe von 150.000 € für alle Einkunftsarten einheitlich gelten. 
  • Auch vermietete Wirtschaftsgüter sollen nach § 7g EStG begünstigt werden. Nach der bisherigen Regelung sind nur Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens begünstigt, die im Jahr der Investition und im Folgejahr ausschließlich oder fast ausschließlich, das heißt zu mindestens 90 %, im Betrieb genutzt werden. Die Verwendung der Wirtschaftsgüter soll jedoch mit dieser Änderung flexibilisiert werden. Auch längerfristige Vermietungen sollen sich dann nicht mehr schädlich in Bezug auf § 7g EStG auswirken. 
  • In § 7g Abs. 2 S. 2 EStG wird eine Regelung zur nachträglichen Beantragung von Investitionsabzugsbeträgen geplant. Diese soll ungewollte Gestaltungen vermeiden.

Für bilanzierende Unternehmen kam bisher die Steuerbegünstigung nach § 7g in Betracht, wenn das Betriebsvermögen 235.000 € nicht überschritt. Nun könnten zahlreiche Unternehmen aus der Begünstigung rausfallen.

Andererseits könnten Unternehmen von der Berücksichtigung höherer Investitionskosten profitieren.

Die Neuregelungen sollen bereits erstmals für Investitionsabzugsbeträge und Sonderabschreibungen angewandt werden, die in nach dem 31. Dezember 2019 endenden Wirtschaftsjahren in Anspruch genommen werden.

Erhöhte Gebäudeabschreibung

Klarstellende Regelungen sind durch den Entwurf des JStG 2020 für erhöhte Absetzungen bei Gebäuden in Sanierungsgebieten und städtebaulichen Entwicklungsbereichen nach § 7h EStG geplant.

Verlängerte Reinvestitionsfristen

In dem Regierungsentwurf zum JStG 2020 wird weiter darauf hingewiesen, dass mit Blick auf die noch anhaltende Corona-Pandemie die Reinvestitionsfristen des § 6b EStG um ein Jahr verlängert werden sollen. Es wird jedoch auch erläutert, dass eine Verordnungsermächtigung dies bis längstens 31. Dezember 2021 ermöglicht.

Arbeitgeberleistung „zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn“

Im Hinblick auf die Lohnsteuer findet sich immer wieder die Tatbestandsvoraussetzung, dass eine bestimmte Arbeitgeberleistung „zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn“ erbracht werden muss. Dabei wird immer noch uneinheitlich beurteilt, wann diese sog. Zusätzlichkeitsvoraussetzung auch tatsächlich zum Ausschluss bestimmter Steuerbegünstigungen führt (z.B. bei Fällen des Gehaltsverzichts). 

Der Gesetzgeber plant deshalb folgende Klarstellung in § 8 Abs. 4 EStG: „Im Sinne dieses Gesetzes werden Leistungen des Arbeitgebers oder auf seine Veranlassung eines Dritten (Sachbezüge oder Zuschüsse) für eine Beschäftigung nur dann zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbracht, wenn

  1. die Leistung nicht auf den Anspruch auf Arbeitslohn angerechnet,
  2. der Anspruch auf Arbeitslohn nicht zugunsten der Leistung herabgesetzt,
  3. die verwendungs- oder zweckgebundene Leistung nicht anstelle einer bereits vereinbarten künftigen Erhöhung des Arbeitslohns gewährt und
  4. bei Wegfall der Leistung der Arbeitslohn nicht erhöht wird.

Diese Neuregelung soll erstmals anzuwenden sein auf Leistungen des Arbeitgebers oder auf seine Veranlassung eines Dritten (Sachbezüge oder Zuschüsse), die in einem nach dem 31. Dezember 2019 endenden Lohnzahlungszeitraum oder als sonstige Bezüge nach dem 31. Dezember 2019 zugewendet werden.

Erleichterung für die Lohnbuchhaltung 

Ab 2021 sollen auch Arbeitgeber die Bescheinigung für den Lohnsteuerabzug beantragen können, wenn dem Arbeitnehmer keine Identifikationsnummer zugeteilt wurde (§ 39e Abs. 8 EStG). Hierfür benötigt der Arbeitgeber allerdings die Bevollmächtigung des Arbeitnehmers.

Zuschüsse zum KUG weiter steuerfrei

Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzufangen sind derzeit Arbeitgeberzuschüsse zum Kurzarbeitergeld und zum Saison-Kurzarbeitergeld bis zu 80 % des Unterschiedsbetrages zwischen dem Soll-Entgelt und dem Ist-Entgelt lohnsteuerfrei (§ 3 Nr. 28a EStG). 

Die begrenzte und befristete Steuerbefreiung der Zuschüsse des Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld verlängert werden. Sie soll für Lohnzahlungszeiträume gelten, die nach dem 29. Februar 2020 beginnen und vor dem 1. Januar 2022 enden. 

Schon gewusst? Coronavirus und Arbeitsrecht: Die Kurzarbeit!

Längere Verjährungsfristen für Steuerstraftaten

Mit dem JStG 2020 werden zudem die Verjährungsfristen für Steuerstraftaten von zehn auf 15 Jahre verlängert – ein unter Juristen umstrittenes Vorhaben. So sollen Behörden mehr Zeit für die Aufklärung und Verfolgung komplexer Taten (wie z.B. die Cum-Ex-Deals) erhalten.

Umsatzsteuerliche Neuregelungen

Auch bei der Umsatzsteuer sind ab 2021 zahlreiche Änderungen geplant:

  • Das Mehrwertsteuer-Digitalpaket soll ab 1.7.2021 umgesetzt werden. 
  • Auch für Telekommunikationsleistungen kommt ab 2021 die Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers nach § 13b UStG infrage.

Einführung der Mobiliätsprämie

 Pendler, die aufgrund ihres geringen Einkommens keine (Lohn-)Steuern zahlen, können ab 2021 alternativ zu der erhöhten Entfernungspauschale ab dem 21. Entfernungskilometer eine sog. Mobilitätsprämie wählen.

Gleichzeitig wird die Entfernungspauschale angehoben: Ab dem 21. Kilometer wird diese um 0,05 € auf 0,35 € erhöht. Diese Regelung ist befristet vom 1. Januar 2021 bis 31. Dezember 2026. Für die ersten 20 Kilometer der Fahrtstrecke zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte bleibt die Pauschale unverändert.

Beitragsbemessungsgrenzen steigen

Zum 1.1.2021 steigen sämtliche Beitragsbemessungsgrenzen, das heißt:

  • die einheitliche Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung und Pflegeversicherung
  • die Beitragsbemessungsgrenze West und Ost in der Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung

Das bedeutet eine höhere Beitragsbelastung für Arbeitgeber die betroffenen Beschäftigten.

Achtung!

Übersehen Arbeitgeber das Ansteigen der Beitragsbemessungsgrenzen bzw. wird das entsprechende Update nicht rechtzeitig eingespielt, werden für Besserverdienende zu geringe Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge abgeführt. Spätestens nach der nächsten Betriebsprüfung kann es zu erheblichen Nachzahlungen kommen.

Versicherungszweig und ZeitraumWestOst
Kranken- und Pflegeversicherung, jährl.58.050 € (56.250 €)58.050 € (56.250 €)
Kranken- und Pflegeversicherung, monatl.4.837,50 € (4.687,50€)4.837,50 € (4.687,50€)
Renten- und Arbeitslosenversicherung, jährl.85.200 € (82.800 €)80.400 € (77.400 €)
Renten- und Arbeitslosenversicherung, jährl.7.100 € (6.900 €)6.700 € (6.450 €)
Rechengrößen für 2021 (Werte für 2020 in Klammer)

Höhere Sachbezugswerte für Verpflegung und Unterkünfte

Auch die amtlichen Sachbezugswerte für Unterkünfte und Verpflegung steigen 2021 an. Die neuen Sachbezugswerte sind zwingend ab 1.1.2021 anwenden. Rechnet ein Unternehmen mit alten oder falschen Werten, kann dies weitreichende Folgen haben, z. B.:

  • Gesamtsozialversicherungsbeiträge werden falsch berechnet und abgeführt.
  • Die Lohnsteuer wird nicht korrekt ermittelt.
  • Teilzeitkräfte werden fälschlicherweise als versicherungsfreie, geringfügig entlohnte Minijobber geführt.
  • Eigentlich versicherungsfreie, geringfügig entlohnte Minijobber werden als versicherungspflichtige Mitarbeiter abgerechnet.
FrühstückMittagessenAbendessenGesamt
Arbeitnehmer einschließlich Jugendlichen und Azubismonatlich55 € (54€)104 € (102€)104 € (102€)263 € (258€)
kalendertäglich1,83 € (1,80 €)3,47 € (3,40 €)3,47 € (3,40 €)8,77 € (8,60€)
Die amtlichen Werte für Verpflegung für 2021 (in Klammer für 2020)

Der Sachbezugswert für Unterkünfte ändert sich im Jahr 2021 und steigt auf 237 € monatlich (von 235 € im Jahr 2020).

Höhere Lohnsteuer-Freibeträge

Das Bundeskabinett hatte bereits im Juli 2020 den Entwurf für ein zweites Familienentlastungsgesetz beschlossen. Zum einen soll zum 1. Januar 2021 das Kindergeld um 15 € steigen. Außerdem werden voraussichtlich der steuerliche Kinderfreibetrag und der Betreuungsfreibetrag im Jahr 2021 ansteigen.

Darüber hinaus ist eine Anhebung des Grundfreibetrags geplant.

Grundfreibetrag
Grundfreibetrag (Ledige)9.696 € (9.408 €)
Grundfreibetrag (gemeinsame Veranlagung)19.392 € (18.816 €)
Halber Kinderfreibetrag2.730 € (2.586 €)
Ganzer Kinderfreibetrag5.460 € (5.172 €)
Betreuungsfreibetrag1.464 € (1.320 €)
Höhe des Grundfreibetrags 2021 (in Klammern für 2020)

Fazit

Unternehmen müssen sich zum Jahreswechsel auf zahlreiche Änderungen einstellen. Das Gesetzgebungsverfahren zum JStG 2020 läuft allerdings noch. Das Gesetz muss noch dem Bundespräsidenten zur Unterzeichnung zugeleitet werden, sodass es anschließend im Bundesgesetzblatt verkündet werden und sodann in Kraft treten kann.

Wenn Sie Fragen rund um das Thema Steuern haben, wenden Sie sich an unsere Steuerberater und vereinbaren einen Termin. Wir stehen Ihnen gerne für alle Fragen zur Verfügung.

Rufen Sie uns an 0201/24030.

Schumacher | Rechtsanwälte · Notare · Steuerberater

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