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Fallbeispiele
 

 

 

 

TuSEM Essen, Profihandballmannschaft innerhalb einer ausgegliederten Spielbetriebs GmbH

Zum Saisonende 2005 hatte die damalige Spielbetriebsgesellschaft Insolvenz anmelden müssen. Danach wurde der Spielbetrieb innerhalb einer Auffanggesellschaft fortgeführt. Nach mehreren Aufstiegen spielte TuSEM 2008 wieder in der höchsten Klasse, der 1. Bundesliga. Im dritten Monat der laufenden Saison hatte die Gesellschaft erhebliche Liquiditätsprobleme und war wirtschaftlich überschuldet. Nur durch ständiges Vorziehen der Sponsorenzahlungen hatte man den Spielbetrieb der letzten 12 Monate aufrecht erhalten können. Der Hauptgesellschafter und Geschäftsführer der GmbH (der Verein war gemäß der Statuten der Handballbundesliga Minderheitsgesellschafter mit Sperrminorität) hatte gegenüber dem Aufsichtsrat und dem Verein weder für die notwendige Transparenz gesorgt, noch war er bereit, Maßnahmen zu ergreifen oder gar einen notwendigen weiteren Insolvenzantrag zu stellen. Im Oktober 2008 hatte der Druck auf ihn so weit zugenommen, dass er zumindest bereit war, sein Amt niederzulegen und Platz für einen neuen Mann aus dem Verein zu machen. Es bestand der nachhaltige Wille einiger Persönlichkeiten aus dem Vereinsumfeld zur Sanierung und zum Erhalt einer Bundesligamannschaft in Essen.

In dieser Situation kam man auf uns zu und bat uns, „zu retten, was zu retten ist“.

Gemeinsam mit dem neuen Vertreter des Vereins haben wir uns in die Geschäftsführung der GmbH berufen lassen und die Lage sondiert. Die Analyse war desaströs und uns wurde sehr schnell klar, dass die Lücke erheblich größer war, als allgemein angenommen. Sie war weder durch Sponsoren oder von anderer Seite zu decken – deshalb war die kurzfristige Stellung eines Insolvenzantrages unvermeidbar. Das hätte den sofortigen Zwangsabstieg zur Folge sowie die Verweigerung einer Lizenz für die 2. Bundesliga, sofern die Saison (noch 8 Monate!) nicht zu Ende gespielt werden würde. TuSEM wäre in die unterste Klasse abgestiegen, und das wäre das endgültige Aus für den Profihandball in Essen gewesen.

Innerhalb der Drei-Wochen-Frist haben wir darauf hin einen Insolvenzplan einschließlich eines Sanierungskonzeptes (Eckpunkte siehe unten) zur Fortführung der Gesellschaft erarbeitet und mit den Hauptsponsoren vereinbart, dass diese nach Antragstellung weiter, aber nur ratierlich zahlen. Gleichzeitig haben wir eine „Freunde und Gönner KG“ gegründet, die für die insolvente Gesellschaft die Finanzierungsfunktion einer Bank übernehmen sollte.

Mit diesem geschnürten Paket wurde der Insolvenzantrag gestellt. Mannschaft, Aufsichtsrat, Sponsoren, Verein und Fans/Öffentlichkeit hatten wir entgegen den bisherigen Gepflogenheiten offen und zeitnah informiert. Durch die jetzt praktizierte Offenheit konnte schnell verlorenes Vertrauen zurück gewonnen und Vertrauen in die Fähigkeiten der neuen Geschäftsführung hergestellt werden. Der Spielbetrieb konnte ebenfalls aufrecht erhalten werden.

Wir konnten so vertrauensvoll mit dem Insolvenzverwalter zusammen arbeiten. Nachdem wir mit ihm Einigkeit erzielt hatten, war der Spielbetrieb bis zum Saisonende gesichert. So konnten wir den Insolvenzplan fallen lassen und haben uns auf eine übertragende Sanierung verständigt.

Das doppelte Netz durch das Planverfahren mit paralleler Finanzierungs-KG zur Fortführung des Spielbetriebes und die davon losgelöste Lizenzbeantragung durch einen neuen wirtschaftlichen Träger bei späterer Fusionierung wurde nicht benötigt, hat aber Sicherheit für alle Beteiligten geschaffen.

Die auflagenfreie Lizenz für die 2. Bundesliga wurde von einer neu gegründeten GmbH mit durchfinanziertem Etat und ohne Altlasten gestellt und dieser erteilt. Neben einer Professionalisierung zu einem Wirtschaftsunternehmen konnten auch die sportlichen Ziele erreicht werden: Zunächst Klassenerhalt in der ersten Saison, dann Einzug in die eingleisige 2. Bundesliga; mittelfristig wird der Aufstieg in die 1. Liga anvisiert.

Die Eckpunkte des Sanierungskonzeptes

Kosten reduzieren – „ehrenhaft durchspielen“ – Zukunftsperspektive aufbauen

• Gläubigerschutz durch „Flucht“ in die Insolvenz herstellen.
• Insolvenzgeld zur Fortführung und Zeitgewinn nutzen.
• Kosten um ca. 65%, insbesondere für Spieler- und Mitarbeitergehälter, reduzieren.
• Saison zu Ende spielen.
• Anteile der nicht vereinsgebundenen Gesellschafter treuhänderisch übertragen.
• Gründung der TuSEM Freunde und Gönner KG zur Finanzierung des Prozesses.
• Kommanditisten erhalten die Option, sich später an der TuSEM HSB GmbH zu
  beteiligen (treuhänderisch gehaltene Anteile).
• Zustimmung der Gläubiger zum Plan durch Verhandlungsführung sicherstellen
• Mannschaft und sportliche Seite am Leben erhalten, Fans motivieren und nicht
  mit einer sportlichen Blamage untergehen.
• Mannschaft für laufende Saison: Junge Vereinsspieler nach oben ziehen und
  ergänzend Englische Nationalmannschaft als Vertretung akquirieren.
• Mannschaft für Saison 2009/10: Parallel zum laufenden Betrieb aufbauen.
• Verträge mit Hauptsponsoren neu ordnen und erhalten – neue Sponsoren
  gewinnen.
• Antrag auf Zweitligalizenz mit neuem wirtschaftlichem Träger stellen (aus
  Vorsichtsgründen).
• Planverfahren Mitte des Jahres 2009 durch Sofortquote beenden und die (alte)
  Gesellschaft auf den neuen wirtschaftlichen Träger fusionieren.

 

 

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TuSEM, Essen, Profihandball
Sanierung


Mittelständischer  Unternehmer,
Sanierung mit Nachfolgeregelung


Liquidation einer Unternehmens-gruppe in den Niederlanden

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